Die Verlagsbuchhandlung L'Erma Bretschneider in Rom bietet im Juli verbilligte Bücher in Kunstgeschichte und Archäologie an.
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- Geschrieben von: Stefan Heid
- Kategorie: Römische Notizen
Bemerkenswertes aus der Kulturwelt Roms
Die Verlagsbuchhandlung L'Erma Bretschneider in Rom bietet im Juli verbilligte Bücher in Kunstgeschichte und Archäologie an.
Seit dem Apostelfest, 29. Juni, sind die Gottesdienste in der Kirche des Campo Santo Teutonico wieder öffentlich, mit teilweise veränderten Zeiten. Hl. Messen finden jetzt wochentags um 7 Uhr, samstags um 8 Uhr und sonntags um 10 Uhr statt. Wenige Minuten vor Beginn läuten alle drei Glocken, die man sehr deutlich auf dem Petersplatz hört. Dann bleibt noch genug Zeit, um rasch izum deutschen Friedhof zu kommen.
Das Fest der Apostel Petrus und Paulus am 29. Juni war traditionell der letzte Tag der Anwesenheitspflicht für die Kollegiaten des Campo Santo Teutonico; danach sind sie entweder nach Hause oder in kühlere Gefilde in Latrium angereist. Der Campo Santo ist schon immer auch wissenschaftlich der Frage nach den archäologischen und historischen Spuren des Lebens der Apostelfürsten nachgegangen. So hat der Rektor Anton de Waal bzw. das Schweizer Kollegsmitglied Paul Styger 1915 die Verehrungsstätte der Apostel aus dem 3. Jahrhundert an San Sebastiano entdeckt. 2010 fanden am RIGG und auf der Generalversammlung der Görres-Gesellschaft in Freiburg zwei Tagungen zu den Aposten statt, die in einem Sammelband bei Herder veröffentlicht wurden. Eine Auswahl von Beiträgen wurde bei Schnell & Steiner publiziert.
Buch bei Herder Buch bei Schnell & Steiner
Domenico Benoci, Mitglied des RIGG, wurde am 23. Juni mit einer Arbeit über die Inschriften der Area I der Kallistkatakombe am Päpstlichen Institut für Christliche Archäologie (PIAC) erfolgreich promoviert. Relatoren waren Prof. Danilo Mazzoleni udn Prof. Vincenzo Fiocchi Nicolai. Trotz Corona konnte die Verteidigung normal, allerdings mit reduziertem Publikum, stattfinden. Benoci ist Autor der Römischen Quartalschrift. Die am PIAC erworbenen akademischen Titel sind staatlich anerkannt und berechtigen somit zur Teilnahme an öffentlichen Ausscrheibungen.
Jahrgang 1927 wie Papst Benedikt XVI., war Oriol Schaedel eine Institution und hoch geschätzt - nicht nur bei dem gelehrten Ratzinger. Er zählte zu jenen Deutschrömern, die jahrzehntelang das Leben der "deutschen Kolonie" geprägt und zu ihrem kirchlich-kulturellen Standard beigetragen haben. Erstaunlich ist, dass Schaedel kaum je in Deutschland gelebt hat - seine Wege führten ihn von Spanien in die Schweiz, nach Frankreich und dann nach Rom. Aber man merkte ihm diese selbstverständliche Internationalität gar nicht an.
Rainer Warland hat 1986 seine wichtige Studie über "Das Brustbild Christi" als Supplementband der Römischen Quartalschrift veröffentlicht. Darin geht er ausführlich auf das berühmte, wundertätige Christusbild ein, das sich jahrhundertelang im Mosaikbild der Apsis der Lateranbasilika befand. Das originale Apsismosaik und damit auch das besagte Brustbild Christi könnte ins 4./5. Jahrhundert zurückgehen. Allerdings wurde das frühchristliche Apsisbild im 13. Jahrhundert von Torriti erneuert, wobei das Christusbild aus dem alten Mosaik ins neue übernommen wurde. Dann aber kam 1902 unter Papst Leo XIII. die fatale Idee auf, die Lateranbasilika zu verlängern und dafür die gesamte Apsis samt dem Mosaik um mehrere Meter nach hinten zu versetzen. Dabei geschah die Katastrophe.
Der 500. Todestag von Raphael von Urbino darf nicht von Corona verschluckt werden! Das haben sich die Kunsthistorikerinnen Yvonne Dohna-Schlobitten (Rom) und Claudia Bertling-Biaggini (Zürich) geschworen. Mario Galgano von Radio Vatikan hat sie interviewt. In Kürze werden wir nähere Informationen zu der von Dohna Schlobitten und Bertling Biaggini organisierten exquisiten Raphael-Tagung geben, die vom 26. bis zum 28. November am Campo Santo Teutonico stattfinden wird.
Was die Ford-Werke für Detroit und der Frankfurter Flughafen für Hessen ist, das sind die Vatikanmuseen für den Vatikanstaat, die jedes Jahr einen geschätzten dreistelligen Millionnenumsatz verzeichnen und zum guten Teil den Vatikanstaat (nicht den Heiligen Stuhl) finanzieren. Daher war klar, dass die Museen so schnell wie möglich wieder öffnen mussten. Damit ist auch einer der Hauptmotoren der Tourismusindustrie Roms wieder angesprungen. Allerdings ist jetzt der Eintritt nur noch mit online-Voranmeldung möglich. Auch Kolosseum, Forum Romanum, Villa Adriana, Villa d'Este und andere Highlights sind wieder offen. Einzel- und Gruppenreisende, die die touristische Massentierhaltung meiden, sollten gerade jetzt die weniger frequentierten, kleineren Museen besuchen, von denen Rom unzählige bietet.
Man kann sich von vielen Dingen auch entwöhnen. Wenn dann noch gespart werden muss, zementiert sich die Entwöhnung. Seit Wochen wird der italienische Osservatore Romano nicht mehr gedruckt. Die print-Version ist faktisch eingestellt, und ob sie wieder erscheinen wird, ist unklar. Der Redaktionsbetrieb geht zwar in den Büros weiter - business as usual -, jetzt allerdings für die online-Version. Die deutsche Ausgabe hat jetzt sozusagen ein print-Monopol, weil sie nach wie vor in Deutschland im Schwabenverlag gedruckt wird und wöchentlich erscheint.
Der badische Pfarrer und Heimatschriftsteller Dr. Heinrich Hansjakob (1837-1916) reiste 1876 durch Italien und logierte in Rom am Campo Santo Teutonico. In seinem veröffentlichten Reisebericht stellt Hansjakob dem damaligen Rektor Anton de Waal, seinem Altergenossen, ein überaus freundliches Zeugnis aus: "de Waal ist ein Preuße, aber ein sehr liebenswürdiger, bei dem alle preußischen Eigenthümlichkeiten in Hintergrund treten vor seinem heitern Humor und seiner unübertrefflichen Zuvorkommenheit" (In Italien 2, Mainz 1877, 327).