Römische Notizen

Oriol Schaedel in Rom verstorben

Jahrgang 1927 wie Papst Benedikt XVI., war Oriol Schaedel eine Institution und hoch geschätzt - nicht nur bei dem gelehrten Ratzinger. Er zählte zu jenen Deutschrömern, die jahrzehntelang das Leben der "deutschen Kolonie" geprägt und zu ihrem kirchlich-kulturellen Standard beigetragen haben. Erstaunlich ist, dass Schaedel kaum je in Deutschland gelebt hat - seine Wege führten ihn von Spanien in die Schweiz, nach Frankreich und dann nach Rom. Aber man merkte ihm diese selbstverständliche Internationalität gar nicht an.

Er und seine vor drei Jahren verstorbene Frau Anneliese gehörten unzertrennlich zu fast allen Aktivitäten der kleinen deutschen Welt in Rom, die ganz maßgeblich auf Freundschaft und Ehrenamt aufbaut. Sie waren in ihrer selbstlosen, unverbrüchlichen Treue fast wie Boten einer besseren Zeit.. Oriol Schaedel ist nun nach schwerem Leiden am 23. Juni im Alter von 93 Jahren in seiner römischen Wohnung verstorben, liebevoll betreut.

Unzählige Freunde, Große und Kleine, genossen die Gastfreundschaft der Schaedels auf ihrer herrlichen Terrasse mit Blick auf den Park der Villa Doria Pamphili, unweit der Deutschen Schule. In ihrer Wohnung standen all die vielen Bücher, die Oriol in seinem langen Berufsleben als Gründer der Casa Editrice Herder verlegt hatte. 

Unverzichtbar war seine lange Tätigkeit in der Erzbruderschaft am Campo Santo Teutonico, zuletzt als Vizecamerlengo. Bereits 1960 war er der Bruderschaft beigetreten, 1964 der Görres-Gesellschaft. Man findet ihn auf viele Fotos der Veranstaltungen durch die Jahrzehnte hinweg, denn er war praktisch immer dabei, bis zum letzten Jahr.  Seine wache Nüchternheit, sein maßvoller, zurückhaltender Rat, sein langes Gedächtnis und die nimmermüde Freundlichkeit haben maßgeblich dazu beigetragen, das deutsche Leben in Rom geradezu familiär zu gestalten.  

Am Donnerstag wird seine sterbliche Hülle auf dem Campo Santo Teutonico, dem Sehnsuchtsort seiner Seele, zu Grabe getragen, in der Familiengruft vor dem Eingang zum Atrium. Viele werden bei ihrem Besuch hier Statio halten und ihm zurufen: Vergelt's Gott!