Buchvorstellung in Rom zum Kunstagenten Johann Martin von Wagner
Von Elena Mühlbauer
Ein Rückblick auf die Veranstaltung vom 10. März in der Casa di Goethe: „Greift nur hinein ins volle Menschenleben“ (Goethe). König Ludwig I. von Bayern und sein Kunstagent Johann Martin von Wagner in Rom in 1352 Briefen: Dr. Golo Maurer im Gespräch mit den Herausgeberinnen und Herausgebern Prof. Dr. Hannelore Putz, Prof. Dr. Martin Baumeister und Prof. Dr. Ferdinand Kramer
Mit der Publikation des dritten Teils des Briefwechsels zwischen Ludwig I. von Bayern und seinem römischen Kunstagenten Johann Martin von Wagner kommt die über vierzehnjährige Arbeit an der historisch-kritischen Edition des Forschungsteams der LMU München zum Abschluss. In über neun Bänden erstrecken sich 1352 umfassend kommentierte Briefe der beiden Korrespondenzpartner von 1809 bis zum Tod Wagners 1858. Der bayerische Kunstagent berichtet über die europäische Kunstmetropole im Zeitalter der Revolutionen und gibt dabei Einblicke in die Geschichte des Sammelns, der neu entstehenden Museen, in Biografien von Künstlern, Frauen und den römischen Lebensalltag. Gleichzeitig lernt man auch den Privatmann Ludwig durch seine Antwortbriefe kennen.
Die Casa di Goethe lud am 10. März 2026 zusammen mit dem Deutschen Historischen Institut Rom zur Buchvorstellung und einem Gespräch der Herausgeberinnen und Herausgeber mit dem Kunsthistoriker Dr. Golo Maurer über die zentralen Themen der Edition. Die an dem Abend bis auf den letzten Platz gefüllten Bibliotheksräume sind eng mit dem Briefwechsel verknüpft. Wie der Leiter des Hauses, Dr. Gregor Lersch, in seiner Einführung betonte, finden sich in den Regalen viele Bücher aus der Privatsammlung Wagners, aber auch Schenkungen des bayerischen Königs. Die dramatischen Ereignisse rund um die deutsche Künstlerbibliothek, die sich heute in der Casa di Goethe befindet, werden intensiv in der Edition besprochen.
Der zuletzt erschienene vierbändige Teil, der sich über die Jahre 1825 bis 1858 erstreckt, stellt nun den neuen König Bayerns ins Zentrum. Nach der Thronbesteigung 1825 kaufte er die Villa Malta auf dem Pincio in Rom, die Johann Martin von Wagner für viele Jahre verwalten wird. Für Aufruhr sorgte der Raubmord 1842 am schwedischen Diplomaten, Ägyptologen, Numismatiker und Antikensammler Nils Gustaf Graf Palin im Gartenhäuschen, der für viel Gesprächssoff unter den Protagonisten sorgte. Wagner ärgerte sich ebenso ausführlich über die Eskapaden seiner Mieterin Julie Gräfin von Egloffstein, die mehrere eigenmächtige Umbaumaßnahmen durchführte, sich ständig beschwerte und Sonderwünsche äußerte. Als die von Goethe und Ludwig geförderte Malerin endlich auszog, war der fränkische Verwalter der Villa mehr als erleichtert. Der Kunstagent berichtet aber auch über Gäste, plant Künstlerfeste, kauft auf dem italienischen primären sowie sekundären Kunstmarkt für den Monarchen ein und spricht intensiv über seine Arbeiten am Cellafries der Walhalla. Gleichzeitig war er intensiv an der Ausstattung und den Gestaltungsprogrammen von Ludwigs Neubauten beteiligt.
Ausgehend von den Ereignissen des letzten Teils diskutierten die Gäste über die so berühmte Kunstleidenschaft des bayerischen Königs, die nicht willkürlich, sondern ganz bestimmt mit einem politischen Zweck verknüpft war. Dr. Golo Maurer gab zudem Einblick in den römischen Alltag im 19. Jahrhundert und in die katastrophalen Lebensbedingungen der neu ankommenden Romkünstlerinnen und -künstler, die nicht selten völlig verarmten oder so schwer erkrankten, dass sie die Heimreise nicht wieder antreten konnten. Der Briefwechsel berichtet intensiv über die Situation vieler Romstipendiaten. Ludwig war es, der über Wagner häufig Aufträge vermittelte, um die finanzielle Not etwas zu lindern.
Aus den Themen der Edition entstanden im Laufe der Bearbeitungszeit eine Vielzahl von Doktorarbeiten und eine Habilitation. Um die Nachnutzbarkeit weiter zu erhöhen, stellt die Forschungsabteilung Digital Humanities am DHI Rom, unter Leitung von Dr. Jörg Hörnschemeyer, einen Onlinezugriff zur Verfügung. Der auch weiterhin als gedruckt erschienene Briefwechsel wurde mit digitalen Methoden erschlossen und erweitert. Neben einer vollständigen maschinellen Durchsuchbarkeit und Downloadfunktion einzelner Briefe sind nun auch die Regesten miteinander verknüpft und zeigen eindrücklich die oft über Jahrzehnte und mehrere gedruckte Bände geführten Gespräche der Protagonisten zu ein und demselben Thema.
Johann Martin von Wagner liegt auf dem Campo Santo Teutonico begraben.
Die Edition liegt nun in 9 Bänden vor, betreut von Hubert Glaser, Martin Baumeister, Ferdinand Kramer und Hannelore Putz.
- Details
- Geschrieben von: Stefan Heid
- Kategorie: Römische Notizen
Römisches Institut der Görres-Gesellschaft


