Der begnadete Plauderer Paul Maria Baumgarten (Foto) hat im Historischen Jahrbuch der Görres-Gesellschaft (1906) eine köstliche Episode festgehalten, die anschaulich darlegt, wie nicht erst heute am päpstlichen Hofe, sondern schon Anno dazumal die Bettelbrüder rasch den Verlockungen der Welt erlagen, wenn ihnen nur kirchliche Würden - Bischofsamt, Kanonikate, Beichtväter von Herrschern - verliehen wurden.

So war im Jahre 1343 ein Franziskaner Beichtvater der Königin Johanna. Diese Herrscherin reichte beim Heiligen Stuhl einé Bittschrift zugunsten ihres Beichtvaters ein, die neun Punkte umfasste, unter anderem:

  • daß der Sohn des hl. Franziskus silberne und goldene Gefäße, andere Kostbarkeiten und überhaupt irgendwelche Geschenke annehmen und dieselben auch nach Gutdünken wem immer innerhalb wie außerhalb des Ordens schenken dürfe.
  • daß er selbst ferner wertvolle Gefäße ruhig gebrauchen dürfe.
  • wenn der Frater zum Koster zurükkehren würde, solle er vom Chordienst befreit sein.
  • ihm solle ein vom Schlafsaal dre Brüder getrenntes Zimmer eingeräumt werden, in dem er unbehelligt schlafen und essen könne.
  • daß er einen oder mehrere Diener halten dürfe, die zu seinem Dienst bestimmt seien.
  • er möge alle Gewänder gebrauchen dürfen, die ihm geschenkt oder die für ihn gekauft werden.

Alles das wird von Papst Klemens VI. (1342-1352) bewilligt: Fiat!

Der spitzzüngige, aber fromme Baumgarten fährt fort: "Faßt man die Ausstaffierung dieses königlichen Beichtvaters aus dem Orden des poverello di Assisi zusammen, so fragt man sich erstaunt, was an demselben wohl etwa noch von einem Franziskaner übrig gebllieben ist.". 

Paul Maria Baumgarten-Institut für Papsttumsforschung