Aus aller Welt

Schadensersatz für die Schiffe von Nemi

Nemi am Lago di Nemi, einem südlich von Rom gelegenen Vulkansee, ist der Ort der Erdbeertörtchen, so wie Arriccia die Stadt der Porchetta. Der großartige Museumsbau, von Mussolini, eingeweiht, in dem zwei gigantische Schiffsreste aus der Zeit des Kaisers Caligula ausgestellt waren, ist mur noch eine leere Hülle, seit 1944 die Schiffe darin abgebrannt sind. Seit vielen Jahren ist das Museum vernachlässigt und praktisch nicht mehr zugänglich, zumal auch eine der beiden Straßen zum See verrottet ist. Überall fehlt es an Geld.

Schon seit langem wird die Version - auch auf offiziellen Plattformen - verbreitet, deutsche Soldaten hätten das Schiff mutwillig verbrannt. Dass die Komune Nemi nun von Deutschland Schadensersatz verlangt, überrascht daher nicht (hier die Pressenotiz), noch weniger, dass dies nun gerade in der Corona-Krise geschieht, wo die Touristen ausbleiben, von denen das Dörfchen lebt. In der Antike gab es dort einen großen Dianatempel direkt am See (nahe dem Museum), der die Pilger anlockte, heute locken nur noch die Erdbeeren. Das genügt eben nicht.

Was die wahre Ursache des Brandes betrifft, so spricht manches dafür, dass es Zivilpersonen waren, die während der kritischen Monate in dem unbewachten Museum campierten und durch ein unachtsames Feuer die Katastrophe auslösten. Direkt am See konnten sich Zivilisten leicht verstecken, denn das Militär war gerade nicht unten am See, weil es dort in einer Falle gesessen hätte und vom Gegner leicht hätte gefangen genommen werden können. Der schlecht erreichbare, tief gelegene See mit dem Museum war strategisch völlig uninteressant. Die Militärstellungen waren vielmehr oben auf dem Kraterrand. Dabei war die deutsche Position auf der Seite des Museums, jene der Alliierten auf der entfernten, gegenüberliegenden Seite. Die Deutschen haben also weit über das Museum hinweggeschossen.

Dass nun ausgerechnet jetzt umfangreiches Beweismaterial für die Behauptung, die Deutschen hätten die Schiffe zerstört, aufgetaucht sein soll, muss verwundern. Sicher hat kein Militär aufgeschrieben, er möchte jetzt ein Museum zerstören. Letztlich wird eine Argumentation nur mit Plausibilität und Indizien argumentieren können. Gerade auch lokale Historiker bezweifeln die Version der Komune Nemi, dürften sich aber aus politischen Rücksichten zurückhalten.