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Deutscher Vorsprung gegenüber römischer Wissenschaft?

Es ist ein Topos des nationaltrunkenen 19./20. Jahrhunderts, dass römische Wissenschaft (besonders in der Form der Neuscholastik) nicht mit der deutschen Wissenschaft mithalten könne. Dieser Dünkel wurde gerade auch von den jungen Kaplänen am Campo Santo Teutonico gepflegt und hat den damaligen Rektor Anton de Waal (+ 1917) in Rage gebracht (siehe Dominik Burkard in: Päpstlichen und Patriotismus, S. 362).

Umso erbaulicher ist es, wenn die profane Geschichtswissenschaft fernab vom theologischen Richtungsstreit mehr und mehr die Bedeutungs Roms als eines der historischen Zentren europäischer Wissenschaft entdeckt.

Michael Matheus (Mainz) hat bei Schnell und Steiner einen englischsprachigen Aufsatzband unter dem Titel "Roma docta. Northern Europeans and Academic Life in the Renaissance" zusammengestellt, in dem er zeigen kann, dass das kosmopolitische Rom der Renaissance mit seiner päpstlichen Universität La Sapienza sehr wohl "ultramontane" Studenten angezogen hat.  

Ein abschließendes Kapitel behandelt Quellen und Formen der Papstkritik im 15./16. Jahrhundert, die sich auch in zeitgenössischen Bildern niederschlug: von der Papsthydra über den Papstesel zum Papstteufel. Hier haben sich vor allem Luthers Kampfbilder hervorgetan, die meisterhaft von Hartmann Grisar zusammengestellt wurden (im Herder-Verlag, 1921ff). Verglichen mit diesen zum Teil obszönen Holschnitten sind heutige Mohammedkarikaturen recht arglos. Neben der protestantischen Kritik muss man natürlich auch sehen, dass wie an jedem Fürstenhof auch in Rom selbst am Papsthof der Spott unverzichtbar war (Pasquino). Gut beraten waren Päpste, die ihre Kritiker respektierten und keine Vendetta führten. 

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