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Die deutsche Jugend- und Umweltbewegung - eine historische Analyse

Es gibt wohl wenige Italiener, die sich intensiv und kritisch mit der jüngsten deutschen Geistesgeschichte befassen, aber es gibt sie noch. Dazu zählt der Politikwissenschaftler Domenico Palermo, der eine glänzend geschriebene Studie über "I precursori dell'ambientalismo. Storia e cultura del Movimento Giovanile Tedesco" vorgelegt hat. Es geht ihm also, grob gesagt, um die Vorläufer der heutigen Umweltbewegung. Er sieht sie in einer historischen und geistigen Linie zur Wandervogelbewegung nach dem Ersten Weltkrieg und zur Hippie-Bewegung nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine gewisse Brücke zwischen beiden Phasen bildeten die inhomogenen Jugendbewegungen während des Dritten Reichs, darunter die Hitlerjugend.

Palermo analysiert die geistesgeschichtlichen Wurzeln aller dieser Bewegungen, die trotz zeit- und kulturbedingter Unterschiede (in Reaktion auf die beiden Weltkriege) beide in der deutschen Romantik und im Nihilismus (Nietzsches) wurzeln. Während die Wandervögel Alkohol und Drogen ablehnten, fröhnten die Hippies jedem Exzess, aber in derselben antibürgerlichen Absicht. Die deutsche Jugendbewegung von 1900 bis in die Hippiejahre analysiert Palermo als im Wesentlichen antichristlich und antagonistisch: Sie pendelt zwischen einem romantischen und szientistischen Naturbegriff. In beiden Fällen wird der Mensch zugunsten der Natur nach- und untergeordnet, was in eine ökologistische Ideologie mündet ("ambientalismo" ist kaum übersetzbar).

Der Autor sieht den wichtigsten zeuitgenössischen Analytiker der Jugendbewegung in Romano Guardini, der zumindest in der christlichen Jugend eine Versöhnung zwischen Mensch und Schöpfung versucht, indem er dem Rang des Menschen als Abbild Gottes und dem Eigenrecht der Natur als Schöpfung Gottes gleichermaßen gerecht werden will.  

Es ist hier nicht der Ort, um das Buch tiefer zu besprechen, aber es liegt zweifellos eine Studie vor, die nach einer deutschen Übersetzung ruft.  

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