Das dreitägige Treffen von 80 Altcamposantinern und 10 Mitarbeitern an der Festschrift sowie weiteren Gästen verlief mit einem großen dynamischen Spannungsbogen: Prof. Dr. Rainald Becker, Kirchenhistoriker in Augsburg, Dr. Manfred Lütz, Psychiater in Köln, und Prof. Dr. Peter Schallenberg, Sozialethiker von der kathl.-theol. Fakultät in Paderborn, haben in einer ersten Gesprächsrunde viele Lachsalven aus dem Schatz ihrer Erinnerungen (meistens an Erwin Gatz) ausgelöst und zugleich erste Linien gezogen, wie im Pontifikat des amerikanischen Papstes Leo das Kolleg sich im gesamtkirchlichen Horizont orientieren kann.

Dann haben Camerlengo Franco Reale und Dr. Albrecht Weiland ihre Sicht eines erneuerten Campo Santo mit verkleinertem Kolleg dargelegt. Anschließend haben Bischof Dr. Andrej Saje, Vorsitzender der Slowenischen Bischofskonferenz, Mons. Dr. Josef Gehr, Vertreter des Dikasteriums für den Klerus, und Botschafter Dr. Bruno Kahl jeweils ihre Wünsche an das Kolleg geäußert. Unisono wünschen sie ein Kolleg, das weiterhin die kirchliche und intellektuelle Herzkammer des Campo Santo bleibe und zugleich eine nationale Verengung vermeide, vielmehr besonders auch Mitteleuropa in den Blick nehme.

Beim abendlichen Empfang in der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland beim Heiligen Stuhl bei Dr. Kahl stellte Dr. Ignacio García Lascurain Bernstorff in einem brillanten Vortrag die Festschrift "Das Deutsche Kolleg im Vatikan" vor, das man in gewisser Weise auch als Geschenk des Görres-Instituts an das Kolleg ansehen kann. Botschafter Kahl führte durch die anschließende Diskussion und interessierte sich besonders für den Campo Santo als Ort der Spionage, wofür es in der Tat zahlreiche historische Anknüpfungspunkte gibt. Anschließend gab es einen prächtigen Empfang in Residenz und Garten.

Der nächste Tag war geprägt durch die Privataudienz bei Papst Leo XIV. in der Sala del Concistoro in der terza loggia des Apostolischen Palastes. Nach dem Gruppenfoto vor der Audienzhalle am Campo Santo bewegte sich der Zug hinter der Basilika vorbei zum Damasushof und von dort in den Saal. Der Papst würdigte das Kolleg als Ort der Zuflucht und des Studiums und gab anschließend jedem Einzelnen die Gelegenheit, vorzutreten.

Der anschließende Busausflug zum päpstlichen Palast in Castelgandolfo, der Spaziergang durch den weitläufigen Garten bei herrlicher Herbstsonne, das entspannte abendlichen Festessen in Frattocchie schlossen den Tag in bester Weise ab.

Am Sonntag war zum Hochamt mit Bischof Dr. Bertram Meier (Augsburg) die Kirche des Campo Santo brechend voll. Bischof Meier predigte nicht nur über "Kraft, Liebe und Besonnenheit", sondern knüpfte auch an die Festschrift "Das deutsche Kolleg im Vatikan" an, das wie in einem Kaleidoskop Priester des Kollegs schildert, die mit leidenschaftlicher Kirchlichkeit und intellektuellem Einsatz ihren Dienst verrichtet haben.  

Geplant ist, in Zukunft jeden 21. November, dem Gründungstag des Kollegs (1876), ein kleines Treffen der Altcamposantiner zu organisieren und auf diese Weise einen Ehemaligen- und Freundeskreis zu etablieren.

 Festschrift