Vorträge & Tagungen

22.-24. Januar: Tagung "Zwischen Kronen und Nationen"

Termin
Datum: 22.01.2020
Ort: Campo Santo Teutonico

Vom 22. bis zum 22. Januar 2020 findet am Campo Santo Teutonico und am Kolleg Santa Maria dell'Anima eine Tagung zum Thema "Zwischen Kronen und Nationen: Die zentraleuropäischen Priesterkollegien in Rom zwischen Risorgimento und Zweitem Weltkrieg" statt. Sie wird von Dr. Tamara Scheer (Wien) (federführend), Dr. Florian Kührer-Wielach (München), Mons. Dr. Franz Xaver Brandmayr und Stefan Heid organisiert.

Die kontinuierliche Neuordnung der europäischen Staaten nach nationalen Grundsätzen im Verlauf des 19. Jahrhunderts, der Zerfall jahrhundertealter Reiche nach dem Ersten Weltkrieg, und die Entstehung neuer angeblicher national- aber dennoch multiethnischer Staaten nach 1918, und der damit einhergehende gesellschaftliche Wandelin Zentral- und Südosteuropa betraf auch die administrativen und seelsorglichen Strukturen der römisch-katholischen Kirche. Sowurden Geistliche und ihre kirchlichen Institutionen nicht nur zu Rezipienten, sondern zu Akteurendieses umfassenden Transformationsprozesses, der das Entstehen von Massenparteien, ideologische Ausdifferenzierung und die Suche nach (ethno)nationalen Identifikationen mit sich brachte.Supranationale, durch konfessionelle Demarkationslinien definierteMerkmale der Zusammengehörigkeit, wie sie insbesondere imWesen der römisch-katholischen Kirche angelegt sind, wurden zunehmend von partikularen nationalen Verpflichtungenüberlagert.

Um diesen tiefgreifenden Wandel im zentraleuropäischen Einflussraum im Verlauf des langen 19. Jahrhunderts und denNachfolgestaaten nach dem Ersten Weltkrieg exemplarisch nachzuvollziehen, stellt diese Tagung die Priesterkollegien in Rom in den Mittelpunktund fragt nach der agencyihrer Angehörigen und Alumni: Während ein Teil der kirchlichen Führer an den überkommenen Strukturen festhielt und sich als „habsburgtreu“ positionierte, sahen sich andere dazu berufen, vor allem für die „Eigenen“ (im ethnischen Sinne) Partei zu ergreifen und nahmen eine Rolle als nationalisierende Agitatoren ein.

Ein erheblicher Teil der im Fokus stehenden Akteure hat ihre theologische Ausbildung mitunter in Rom absolviert, wo sie in der Regel Gast einer der zahlreichen Kollegien, die als „Kaderschmieden“ der katholischen Kirche gelten, waren. Nach dem Ersten Weltkrieg fanden sich römisch/griechisch-katholische Geistliche unversehens auf verschiedenen Seiten einer Grenze wieder und wurden unabhängig von seelsorglichen Fragen in lokale Ausprägungen eines globalen Konflikts hineingezogen. Insbesondere der aufkeimende Nationalsozialismus stellte dann eine ganze Generation von Geistlichenerneut vor die Frage ihrer Positionierung innerhalb der Kirche und darüber hinaus.

Der erste Teil der Tagung widmet sich den betreffenden Institutionen und dem Wandel, dem sie im Untersuchungszeitraum zwischen der Einigung Italiens in den 1850er Jahren und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs unterliegen bzw. den sie selbst mitgestalteten:dem Vatikan und den Kollegien für Studierende. Welche politische Haltung wird von den Einrichtungen nach innen und außen vertreten, wie positionieren sie sich zwischen römischem Katholizismus, Imperium undnationalistischen Strömungen? Welche Aufnahmebedingungen galten für die Geistlichen? Wieund warum wurde das Profil der Kollegienim Untersuchungszeitraum adaptiert?

Der zweite Teilwidmet sich exemplarisch den Geistlichen als kirchliche und politische Akteure: Inwiefern bildet sich die Neuordnung Zentral- und Südosteuropas in ihren Biographien ab? Welche Bedeutung hatte in diesem Zusammenhang ihre Rom-Erfahrung? Welche Rolle spielten sie später als religiöse und politische Akteure in ihrer Heimat bzw. an ihrem Wirkungsort? Wie werden „römische“ Erfahrung und Netzwerkbildungen in diesem Zusammenhang genutzt?

Die Verknüpfung von aktuelle Fragestellungen zu Identifikation und Loyalität in der Forschung zum zentral-, ostmittel- und südosteuropäischen Raumes mit kirchengeschichtlichen Perspektiven, wie sie im Rahmen dieser Tagung erprobt wird, stellt ein Desiderat der Transformationsforschung dar. Mit einem interdisziplinären, institutionsgeschichtlichen wie akteursbezogenen Ansatz soll diese Tagung zur Schließung dieser Forschungslücke beitragenund gleichzeitig das sich wandelnde Verhältnis von Staat und Kirche in einen größeren zeitlichen und geographischen Rahmen diskutieren.

 

Vortragende und Themen sind (vorläufig, ohne Gewähr):  

  • Florian Kührer-Wielach (München): Confessio-Natio-Patria 
  • Laurence Cole (Salzburg): Römisch Katholische Kirche in der Habsburgermonarchie: Forschungsstand 
  • Markus Pillat (Rom): Germanicum
  • Antal Molnár (Rom/Budapest): Collegio Germanico-Ungarico
  • Ulyana Uska (Lviv): Ruthenisches Kolleg
  • Stefan Samerski (München): Salvatorianer Kolleg
  • Andreas Gottsmann (Wien/Rom): Die k.u.k. Botschaft und die Frage der Agentie-Tätigkeit
  • Hartmut Benz (Ruppichteroth): Der Camposanto Teutonico und die Nord-Amerikanische Mission
  • Rok Stergar (Ljubljana): Ignac Žitnik
  • Marija Wakounig (Wien): Lambert Ehrlich
  • Karl-Josef Hummel (Erfurt): Alois Hudal
  • Angela Ilić (München): Ungarländische Absolventen in ungarischen kirchlichen und staatlichen Diensten
  • Katrin Boeckh (Regensburg): Russlanddeutsche am Germanicum
  • Tobias Weger (München): Von Oberschlesien und Böhmen über Rom in die rumänische Dobrudscha
  • Fejérdy András (Budapest): Ottokár Prohászka
  • Tamara Scheer (Wien/Rom): Die Nationalitätenfragen am Collegium Teutonicum di Santa Maria dell' Anima
  • Stefan Heid (Rom): Die Nationenfrage am Campo Santo Teutonico

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