Römische Notizen

Bemerkenswertes aus der Kulturwelt Roms

Römische Notizen

Die Glocken des Campo Santo im Originalton

Am 15. September wurden die drei Glocken des Campanile des Campo Santo Teutonico eingeweiht, nachdem der Camerlengo der Erzbruderschaft, der Direktor des Görres-Instituts und Rektor des Kollegs das Startzeichen gegeben hatten. Ein deutscher Großspender hat die Grundsanierung des Glockenturms und der Glocken ermöglicht, die von der Firma Lagithec srl durchgeführt wurde. Die Glocken stammen aus derselben Gießerei wie jene von St. Peter, die nur wenige Meter nebenan hängen. Wahrscheinlich sind sie aufeinander abgestimmt (allerdings werden sie bei keiner Gelegenheit gleichzeitig läuten). Zugleich hat der Glockenturm ein neues Giebelkreuz erhalten.

15. September: Jubiläum des Camerlengo Aldo Parmeggiani

Am 31. Juli beging Aldo Parmeggiani, seit 2007 Camerlengo der Erzbruderschaft zur Schmerzhaften Mutter Gottes am Campo Santo Teutonico, seinen 80. Geburtstag. Am Patrozinium der Kirche des Campo Santo, dem 15. September, ehrt die Bruderschaft ihren Camerlengo mit einer kleinen Feier im Anschluss an die hl. Messe um 9 Uhr. Aldo Parmeggiani, gebürtig aus Meran, ist Journalist und arbeitet seit vielen Jahren auch bei Radio Vatikan. Nicht nur die Bruderschaft und das Priesterkolleg, sondern auch das Römische Institut der Görres-Gesellschaft verdankt ihm viel. Ohne seine kräftige und immer herzliche Unterstützung wäre die derzeitige Arbeit des Instituts bei weitem nicht möglich. Ad multos annos! 

Neue Website des Päpstlichen Instituts für Christliche Archäologie

Das Päpstliche Institut für Christliche Archäologie hat eine neue, freundlichere und praktischere Website. Das 1925 gegründete Institut geht mit Siebenmeilenstiefeln auf seine Hundertjahrfeier zu und hat sich in den letzten Jahrzehnten immer wieder stark erneuert, so auch jetzt. Das Institut mag zwar nach außen in manchem altmodisch erscheinen, es ist aber exzellent, innovativ und europaweit vernetzt. Allein die Publikationen und Grabungen legen Zeugnis vom immensen Fleiß und herausragenden Niveau des Lehrkörpers und der Studenten ab. Grundaufgabe des Instituts ist es, einen Studiengang zur Promotion anzubieten, d.h. alle Studenten treten bereits mit einem fünfjährigen Studienabschluss ein und promovieren nun in Christlicher Archäologie.

Alfred Cauchie - ein bedeutender Historiker auf dem Campo Santo Teutonico

Gleich am Eingang des deutschen Friedhofs im Vatikan, wenn man die Stufen heruntergegangen ist, stößt man auf ein Grab, das heute wohl fast niemand mehr wahrnimmt, das aber zu den ganz bedeutenden des Campo Santo gehört. Dort liegt der belgische Prälat und Historiker Alfred Cauchie (1860-1922). 1888, im Jahr der Gründung des Römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, war er Kollegiat am Campo Santo Teutonico (bis 1889). Seit 1896 war er Professor für Heuristik und Geschichte an der Katholischen Universität Löwen, wo er sogleich das Historische Seminar aufbaute. 1900 gründete er die berühmte Revue d'Histoire Ecclésiastique (die Bibliothek des Campo Santo Teutonico besitzt sie seit dem 1. Jahrgang, musste sie aber wegen astronomischer Preise 2011 abbestellen). Seoit 1919 war er Direktor des Belgischen Historischen Instituts (heute Belg. Akademie), das er bis zu seinem frühen Tod aufgrund eines Verkehrsunfalls leitete. 

Die Glocken des Campo Santo

Der Campo Santo hat Glocken? Ja, und zwar drei aus dem Jahr 1830.

Der Campo Santo hat zwar kein eigentliches Wahrzeichen, schon gar keine markante Silhouette, sonderner er "duckt" sich unterwürfig angesichts des übermächtigen Petersdom. Aber das Glockentürmchen auf dem sog. "Hospiz" hat den Campo Santo dann doch immer optisch und zuweilen akustisch ausgezeichnet, so sehr, dass er jedesmal, wenn das Haus aufgestockt wurde, wieder eine Etage höhergerückt ist (sehr schön nachzuvollziehen anhand der historischen Fotos in: S. Heid, Wohnen wie in Katakomben. Kleine Museumsgeschichte des Campo Santo Teutonico, 2016). Zur Zeit wird das Türmchen samt Glocken eingehend restauriert und ist eingerüstet.

Das Ehrwürdige Englische Kolleg in Rom

Eines der ältesten und wichtigsten Priesterkollegien Roms ist das Venerable English College in der historischen Via di Monserrato 45. Das Kolleg wurde 1579 gegründet aufgrund der blutigen Katholikenverfolgung nach dem Ehebruch Heinrichs VIII. Zahlreiche Alumnen, die als Geheimpriester nach England zurückkehrten, wurden von der englischen Staatskirche auf grausamste Weise gefoltert und hingerichtet. Der Day of Martyrs wird jährlich am 1. Dezember mit einem feierlichen Hochamt in der Hauskapelle begangen.

Buch zur Doktoranden-Tagung am PIAC liegt nun vor

Im Februar 2018 führten einige Doktoranden des Päpstlichen Institut für Christliche Archäologie in eigener Regie eine internationale Tagung junger Christlicher Archäologen in Rom durch. Es war das erste Mal, dass ein solcher Versuch gewagt wurde. Das Echo war groß. Inzwischen liegen die Vorträge als Buch oder PDF (open access) vor. Versammelt ist darin ein bunter Strauß von Themen, bei denen von vornherein nicht an letztgültige Wahrheiten, sondern eher an Diskussionspapiere gedacht war. Es darf gehofft werden, dass diese Initiative einen Fortgang findet.

Die Fußwaschung der Päpste

Dass die Fußwaschung durch die Päpste am Gründonnerstag schon lange ein Akt inszenierter Demut ist, zeigt beeindruckend ein Beitrag in der neuesten Ausgabe des von Pietro Zander betreuten Notiziario des Petersdoms (Jg. 31, 2019/4). Damit dieser Akt, der lange Zeit im Apostolischen Palast ohne größeres Publikum vorgenommen wurde, von der allgemeinen Öffentlichkeit wahrgenommen wurde, verlegte ihn Pius IX. ins nördliche Querschiff des Petersdoms. Interessanterweise wurden 13 "Aposteln" die Füße gewaschen. Man wählte 13 Priester, die aus dem Norden nach Rom gepilgert waren, und gab ihnen eine besondere Tracht.

Orlandi und der Campo Santo: einige Klärungen

Der deutsche Friedhof "Campo Santo Teutonico" gehört zu den am besten erforschten, betreuten und bewachten Friedhöfen der Welt. Aus den skrupulös seit dem 15. Jahrhundert lückenlos bis heute geführten Totenbüchern geht hervor, dass Emanuela Orlandi dort nicht bestattet wurde. Es gibt auch keine geheimen Bestattungen. Alle Bestattungen werden öffentlich vorgenommen und dokumentiert. Geheime Bestattungen sind spätestens seit den Lateranverträgen (1929) nicht möglich, da der einzige Zugang zum Campo Santo Teutonico Tag und Nacht (!) von vatikanischen Gendarmen bewacht wird. Niemand kann hinein oder hinaus, ohne entweder von den Gendarmen oder der Schweizergarde wahrgenommen zu werden.