Aus dem Institut

Ein notwendiges öffentliches Dankeschön

Von Stefan Heid

In diesem Jahr der besonderen Herausforderungen drängt es mich, ein großes, vernehmliches Dankeschön zu sagen an alle, die dies lesen, und an alle, die die Geschicke des Römischen Instituts mittragen und mitverfolgen. Das Görres-Institut weiß sich von erheblichen Sympathien getragen, was gerade auch in diesen Zeiten besonders zu spüren ist. Es mag jetzt banal klingen, aber ein Spendenaufkommen in diesem Jahr von über 11.000,- Euro in vielen Einzelbeträgen ist doch ein beachtenswertes Zeugnis. Dazu kommen die Beiträge unserer Mitglieder, die sich auf 3.556,- belaufen. Dies möchte ich zum Anlass nehmen, um etwas ausführlicher meinen Dank auszusprechen und diesen auch zu begründen.

Das Institut lebt von seinen 222 Mitgliedern, die keineswegs nur Nutznießer sind, sondern in erheblichem Maße aktiv am Institutsleben teilnehmen, an den Vorträgen, Tagungen, Veröffentlichungen und Ausflügen. Das Institut ist so eine Börse der Kontakte und des persönlichen Austauschs über Ländergrenzen hinweg geworden. Das zeigt sich auch daran, dass immer wieder einzelne Interessierte und gar Reisegruppen, die gelegentlich in Rom sind, unsere Veranstaltungen in ihr Programm aufnehmen.

Die institutionelle Grundlage für das Gedeihen des Instituts ist seine Einbettung in den Campo Santo Teutonico mit seiner überragenden Geschichte und gewachsenen Wissenschaftstradition. Rektor Prälat Dr. Fischer und Camerlengo Parmeggiani geben in ihren Verantwortungsbereichen dem Institut größten Freiraum und vollen Rückenwind. Das Institut ist nicht bloß ein Anhängsel, sondern bei aller Eigenständigkeit in die Bruderschaft und das Kolleg integriert, was an den vielfältigen personellen Überschneidungen ablesbar ist. Voraussetzung ist natürlich auch auf allen Seiten eine große Elastizität in diesem deutsch-italienisch-vatikanischen "Dreiländereck" Campo Santo Teutonico.  

Dabei ist gar nicht nur an die Leitung der Institutionen der Erzbruderschaft und des Kollegs gedacht, sondern gerade auch an deren vielen Mitglieder und Mitarbeiter. Denn das Römische Institut ist nicht eine Eintagsfliege, sondern besteht und agiert an jedem Tag der Woche. Es ist ein Taubenschlag von Besuchern von außerhalb wie aus dem Kolleg. All dies erfordert ständige Absprachen und Bemühungen mit praktisch allen Hausangestellten, vielfältige Rücksichtnahmen bei der Nutzung der gemeinsamen Räume. In all den Jahren habe ich persönlich ein Hochschaukeln von Konflikten wegen "unverzeihlicher" Pannen nie erlebt.  

DSC 0486 KopieDas Gelingen von Zusammenarbeit liegt an ständigen persönlichen Kontakten und vielfach einfach an der "Atmosphäre", die man nicht machen kann, die an den beteiligten Personen hängt und daher in ständiger Veränderung ist. Das hat viel mit Rücksichtnahme, Mitdenken, offenem Wort, Einsteckenkönnen, aber auch mit Lobenkönnen zu tun. Das alles findet sich hier ziemlich gut verteilt. Dazu zähle ich besonders auch die perfekte Abstimmung mit Vizedirektor Prof. Dr. Grohe und der Gesellschaft für Konziliengeschichtsforschung. 

Ganz wesentlich gilt der Dank den vielen Stipendiaten, Assistenten, freien Mitarbeitern und Helfern, männlich wie weiblich. In den letzten 10 Jahren wohnten und arbeiteten am Institut 14 Stipendiaten auf unserer "Görresstrasse" - Tür an Tür mit den Büros und der Bibliothek. So viele junge Leute wurden von einem doch nicht gerade wohlhabenden Institut gefördert. Das ist eine enorme Leistung, und dafür geht der Dank ganz an unsere Freunde in Rom und Spanien: Sie haben die Stipendiaten, die bis zu vier Jahren am Institut sind, weitestgehend finanziert. Die größte Beihilfe dazu kommt von den beiden Kollegien des Campo Santo und der Anima, der Erzbruderschaft und neuerdings auch von der Universidad San Pablo in Madrid.

Ausschlaggebend ist jedoch, dass alle Stipendiaten ihre Zeit bestens genutzt haben. Sie haben nicht nur ihre eigene historische Forschung ernstgenommen, sondern haben sich die Belange des Instituts und des Kollegs zu eigen gemacht. Sie haben keine Arbeiten und Hilfsleistungen gescheut, haben sich nicht verkrochen, sondern die vielfältigen Anregungen des internationalen Rom aufgenommen und gelernt, in allen Sprachen zu reden. 

Wenn man auf der Website die 24 wissenschaftlichen Kooperationspartner des Instituts sieht, die keineswegs bloß auf dem Papier stehen, sondern effektive Partner sind, dann kann man nur staunen, denn die verschiedenen Arten der Zusammenarbeit basieren mehr oder weniger auf Idealismus und Ehrenamt. Uns treibt der Spaß, ohne ideologische Interessen Geschichte zu erforschen. Dazu bedarf es des Freiraums, der Wertschätzung geistiger, unverzweckter Forschung. Die Görres-Gesellschaft als Ganze, deren Auslandsinstitut das Römische Institut ist, ist die unabdingbare Stütze im Hintergrund, ohne die alles zusammenfallen müsste. Die Erneuerungsprozesse der Gesellschaft in den vergangenen Jahren haben dies noch stärker bewusst werden lassen. Die Wertschätzung durch den Präsidenten Prof. Dr. Engler und die konsequente Unterstützung durch den Generalsekretär Dr. Barth sind eine enorme Hilfe, um uns allen das Studieren so sorglos wie möglich zu machen.

Zu den unverzichtbaren Säulen des Instituts gehören auch die Verlage, an erster Stelle - sozusagen seit Menschengedenken - der Verlag Herder in Freiburg, seit einigen Jahrzehnten nun auch schon der Verlag Schnell und Steiner in Regensburg. Verlegerisch sind wir geradezu verwöhnt. Namentlich kann man sich in Dr. Steimer und Frau Kessler kaum bessere Mitarbeiter bei Herder wünschen. Die Vermarktung unseres Schlachtschiffs "Römische Quartalschrift" und diverser Monographien ist in den letzten Jahren grundlegend verbessert worden, was erheblich zum Renommee des Instituts beiträgt. Für Verleger Dr. Weiland von Schnell und Steiner gehört der Campo Santo Teutonico geradezu zu seinem Leben. Daraus ergeben sich im ständigen Kontakt immer wieder neue Ideen, von denen der Campo Santo insgesamt profitiert.     

Es geht hier nicht um Vollständigkeit, ich müsste sonst noch das Direktorium, die Verantwortlichen der Römischen Quartalschrift und viele guten Geister erwähnen, die häufig im Hintergrund mitdenken und mithelfen. Meine Absicht ist lediglich, ein kleines Signal zu geben, dass in Rom sehr wohl wahrgenommen wird, wieviel Musik und Leben in allem ist. Ich weiß noch sehr genau, wie zurecht stolz Erwin Gatz, dessen zehnjährigen Todestag wir im nächsten Mai mit einer kleinen Tagung begehen, auf seine  Tätigkeit als Rektor und Direktor war. Sein immenses Werk bleibt ohne Vergleich und verdient noch heute tiefen Respekt. Auf seinen Schultern steht das Institut heute und hat sich in den vergangenen zehn Jahren unverzagt weiter entwickelt. 

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass die Görres-Gesellschaft auch eine Gebetsgemeinschaft ist, wie jedes Jahr auf der Generalversammlung deutlich wird. Aber wenige wissen wohl, dass die Erzbruderschaft des Campo Santo Teutonico in jeder Bruderschaftsmesse ausdrücklich für das Römische Institut betet. 

Möge das Römische Institut auch weiterhin so vielfältig begabte, so tatkräftige und so sympathische Mitglieder, Freunde und Förderer finden! Zögern Sie nicht, für die Görres-Gesellschaft zu werben! Bleiben Sie uns treu - vergelt's Gott!