Aus aller Welt

Ostern in Jerusalem

Die Osterliturgie wird von Egeria leider kaum beschrieben. Daher geben wir hier eine zusammenfassende Darstellung von Georg Röwekamp wieder (Egeria / Intinerarium):

Anscheinend versammelt man sich zur Zeit der Egeria in Jerusalem vor Beginn der Ostervigil im Hof vor der Anastasis, und zwar schon am frühen Abend. Die Feier beginnt mit dem Lucernar. Das Anzünden der Lampen wird besonders feierlich gestaltet, ähnelt aber zunächst noch dem täglichen Ritus. Er wird erweitet um die Psalmen 113 und 118, den ersten und letzten der Hallel-Psalmen, die auch beim jüdischen Pesachfest gesungen werden. Später entwickelt sich daraus die Zeremonie des heiligen Feuers, wie sich an den verschiedenen Fassungen des Armenischen Lektionars ablesen lässt.

Der nächtlche Wortgottesdienst findet im Martyrium statt und ähnelt den Vigilien, die Egeria aus ihrer Heimat kennt; die Lesungen berichten wohl in der gesamten Kirche von Vorbildern der Auferstehung: Schöpfung, Rettung Isaaks, Pesach, Jona, Durchzug durch das Rote Meer, die Erleuchtung Jerusalems, Antwort an Hiob, Entrückung des Elija, Rettung des Jeremia, Durchzug durch den Jordan, Vision vom Lebendigwerden der Gebeine bei Ezechiel, die Drei Jünglinge im Feuerofen.

Die Osternacht gilt sehr früh als besonders geeigneter Tauftermin. Egeria ist der Brauch, dass während des Wortgottesdienstes der Ostervigil getauft wird, aber anscheinend bekannt. Sie beobachtet aber, dass anders als in ihrer Heimat die Neugetauften in ihren weißen Kleidern vom Baptiersterium erst zum Grab Christi gehen und dann zu den Gläubigen in der Kirche kommen. Obwohl Egeria die eigentliche Taufliturgie nicht näher beschreibt, ist deren Verlauf durch die etwa gleichzeitigen Mystagogischen Katechesen (des Bischofs Johannes II. von Jerusalem) bekannt:

Im Vorraum des  Baptisteriums erfolgen Absage an Satan und Zusage an Christus. Im Baptisterium werden die Täuflinge entkleidet und "wie Christus vom Kreuz zum Grab" zum Taufbecken geführt. Nach dem dreimaligen Untertauchen, das die drei Tage im Grab nachahmt, werden sie "wie Christus nach der Taufe" Mit Heiligem Geist gesalbt. Danach werden sie mit weißen Gewändern bekleidet. Anschließend ziehen sie, wie gesagt, zum Grab, zum Ort der Auferstehung. Der Gedanke der Nachahmung von Tod und Auferstehung bestimmt hier ausdrücklich die Gestaltung der Liturgie.

Zur österlichen Eucharistie ziehen die Neugetauften dann ins Martyrium, wo die Gemeinde die Vigilien fortgesetzt hat. Während der Prozession singen die Täuflinge möglicherweise Gal 3,27: "Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen". Die Eucharistiefeier beginnt mit Ps 65, der von der Erwählung durch Gott spricht. Auch über den Verlauf der Eucharistiefeier sind wir durch die Mystagogischen Katechesen unterrichtet. Ähnlich wie am Donnerstag folgt dann auf die Gemeindefeier eine zweite Eucharistie, diesmal nicht hinter dem Kreuz auf dem Golgota, sondern im Grab Christi. Erstaunlich, dass man sich ausgerechnet jetzt beeilt: "Es wird ein Gebet gesprochen, und der Bischof bringt noch einmal die Gaben dar. Aber mit Rücksicht auf das Volk geschieht alles eilig, damit es nicht länger aufgehalten wird; dann wird das Volk entlassen".

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