Aus aller Welt

Ignacio Garcia berichtet aus dem Heiligen Land: von Autokrallen und Ossuarien

Die beiden ehemaligen Assistenten des RIGG, Dr. Ignacio García und Christopher Helbig, sind derzeit mit einem Reisestipendium des RIGG im Heiligen Land. Am 17. Juli schrieb Herr García einen anschaulichen Bericht über ihre Touren:

"Gestern habe ich Herrn Helbig am Flughafen abgeholt, nach einem sehr angenehmen Besuch des Tel Aviv Museum of Art, seinerseits im Anschluss an eine Wanderung zur Burgruine bei Latroun und an den Besuch der dortigen Trappistenkirche.

Heute Vormittag besuchten wir noch Nablus. Zuerst fuhren wir mit dem Bus nach Ramallah und dann mit dem Taxi weiter bis Nablus. Wir besichtigten dabei drei wunderschöne Moscheen mit antiken und mit byzantinischen Spolien; am eindrucksvollsten war jene mit den Haar-Reliquien Mohammeds, wo wir auch freundlichst vom Imam empfangen wurden. Wir aßen auch den berühmten Kanafeh, besuchten den Souq und eine jahrhundertealte Seifenfabrik. Eine Parkkralle an unserem Auto verhinderte leider, dass wir rechtzeitig zum Jakobsbrunnen kommen konnten.

Sodann fuhren wir nach Ramallah zurück. Als wir uns dem Ort näherten, stellten wir überraschend fest, dass zwei Panzer und eine Schranke die Wegspur in nördlicher Richtung (also wo wir gefahren waren) versperrten; ein paar hunderte Meter weiter versperrten ihrerseits vermummte Jugendliche die Straße mit brennenden Reifen. Der Taxifahrer wendete sofort in einer unbepflasterten Straße, so dass wir nach einigen Wendungen den Taxistand am Busbahnhof heil erreichten. Somit erlebten wir die hiesige politischen Konflikte aus der Nähe. Wir kehrten nach Jerusalem zurück.
Um 16 Uhr wurden wir pünktlich am Eingang von St. Étienne (wir hatten den Tag gleichsam um das Damaskustor geplant) empfangen. Ein mexikanischer Professor für Ugarit und Dominikaner zeigte uns die Aula mit den Sarkophagen und Mosaiken (übrigens ziemlich ähnlich zu unserer Aula am Campo Santo), die Bodenmosaiken der Eudoxia-Basilika (die in der heutigen Kirchen von Teppichen bedeckt werden), die Häsmonäer-Nekropole, die Ossuarien mit den Knochenresten der Verteidiger Jerusalems vor den Persern und sonstigen Belagerern, die Krypta, die Museum genannte archäologische Werkstatt und (nach einer Kaffeepause im Kapitelsaal) natürlich auch das Refektorium und die Bibliothek. Die archäologische Werkstatt (untergebracht in einem ehemaligen Schlachthaus aus osmanischer Zeit) war ausgesprochen Interessant mit den Ordnern aus dem ganzen Heiligen Land und sämtlichen Objekten. Die Sepulkralbüsten und die Mosaiken aus Palmyra wirkten trostreich angesichts der dortigen Verluste. Dadurch, dass der Pater uns dann bis zum Neuen Tor begleitete, machten wir beim Vorbeigehen neben dem Görres-Haus Werbung für unser Institut, unsere Gesellschaft und Ihr Buch".