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Lucia Longo: Künstler und Händler auf der Reise über die Alpen

Lucia Longo-Endres, Görres-Mitglied und Professorin für moderne Kunstgeschichte an der Universität Trient, befasst sich vor allem mit dem Kunstaustausch zwischen Deutschland und Italien in der Renaissance und im Barock. Sie hat nun einen Sammelband über Künstler, die über Tirol die Alpen überqueren, veröffentlicht. Darin findet sich etwa ein Beitrag von Rainald Becker über die Kartographie Tirols, von Alois Schmid über Regensburg als Zentrum des oberdeutschen Handels mit Italien, von Wolfgang Augustyn über die Sibyllen-Ikonographie und zahlreiche weitere interessante Beiträge. 

 

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Bemerkenswert ist ein doppelt vertretenes Thema: Gaststätten und Trinkstuben! Wer hätte gedacht, dass sich davon Kunstzeugnisse erhalten haben! Lucia Longo und Harald Wolter-von dem Knesebeck widmen sich diesem Thema. Auf der Fassade der Osteria all'Aquila Nera in San Michele all'Adige hat sich ein köstliches Bild aus der Zeit um 1500 erhalten, das eine Szene des Willkommens darstellt (siehe Bild). Eine deutschsprachige Frau begrüßt einen Mann aus der Lombardei. Sie sagt: "Das Gasthauss da reden die Gest. In du...ft pab...das si den... wirt mi..." Der Mann sagt: "ala aquila rossa se ... chiama quest hostaria esie...i che vene da lumbardia e chi intra bisogna aver .... dinazi ovez ...gno". Wer ins Gasthaus tritt, was wird der wohl brauchen? Geld? Durst?

Wolter-von dem Knesebeck behandelt Trinkstuben des Alpenraums als Orte zeremonieller Gastfreundschaft im Spiegel der Wandmalereien in Diessenhofen, Meran, Bruneck, Terlan und Pfunds mit Seitenhieben auf Klerus, Bauern und Frauen. Dargestellt wird das Leben der Schlaraffen-Äbte, der Abbas Cucaniensis der Carmina Burana: "Ich bin der Schlaraffenabt, und meine Ratgeber sind die Zechbrüder, und meine Liebe gilt dem Orden des Decius (Patron der Würfelspieler), und wer mich morgens in der Schenke aufsucht, wird sie nach der Vesper nackt verlassen und und so, seines Gewandes beraubt, rufen: Mordio, mordio!". Die Parabel der Fuchspredigt warnt vor Leichtgläubigkeit. Aber auch Minne, Jagd und weltlicher Ruhm werden gewürdigt.

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