Leseempfehlungen

Petrusliteratur und Petrusarchäologie

Die neue Reihe "Rom und Protestantismus", die vom Melanchthon-Zentrum in Rom herausgegeben wird, schaut bereits auf ihren vierten Band, welcher der "Petrusliteratur und Petrusarchäologie" (2020) gewidmet ist, verantwortet von Jörg Frey (Zürich) und Martin Wallraff (München). Der Band versucht einen annähernd konsensfähigen Forschungsstand einzufangen, und zwar dezidiert auf der Grundlage protestantischer Forschung, die nicht unerheblich zum wissenschaftlichen Fortschritt beigetragen hat. Die Tendenz geht dahin, die Gestalt des Petrus als frühes Erzählelement und als Erinnerungsort mit Bindung an Rom zu sehen, auch wenn die harte historische Frage "War Petrus in Rom?" damit nicht beseitigt wird. Der Band entscheidet sie nicht zugunsten Heussis und Zwierleins Radikalnegation, ringt sich auch nicht zu einer Aussage über die historische Plausibilität der römischen Petrustradition durch, sondern begnügt sich damit, mit ihr zu liebäugeln.   

Rom und Protestantismus

Die durchweg gründlich gearbeiteten Beiträge umspannen das gesamte Spektrum der einschlägigen Textzeugnisse, dann auch die Ikonographie und Archäologie. Der Tagungsband der Görres-Gesellschaft Petrus und Paulus in Rom (2011) wird breit rezipiert (auch Blutzeuge). Peter Gemeinhardt ordnet die Stellungnahmen von Gnilka und Heid zwischen "Kritizismus" (Zwierlein) und "Oral History" als "Traditionalismus" ein (249). Wallraff behandelt die Triclia von Sebastiano, die untrennbar mit zwei verblichenen Vertretern des Campo Santo Teutonico und der Görres-Gesellschaft verbunden ist: Paul Styger, der die Triclia 1915 entdeckt hat (siehe Röm. Quartalschrift 2008, 55ff), und Benediktinerpater Leo Cunibert Mohlberg, Professor am Päpstlichen Institut für Christliche Archäologie, der sich in römischen Kreisen herzlich unbeliebt gemacht hat, als er die Triclia den schismatischen Novatianern zuwies, eine These, die Wallraff wieder in Erinnerung ruft. Reichlich gewürdigt wird auch Engelbert Kirschbaum S.J., Leiter des Römischen Instituts der Görres-Gesellschaft (1949-1959) und ebenso wie Mohlberg ein Kölner. Seine Berichte über die Grabungen in Sankt Peter sind bis heute unverzichtbar. Leider konnten im Tagungsband nicht mehr zwei jüngere Publikationen zu Simon Magus berücksichtigt werden: Christian Gnilkas Replik auf Zwierlein und eine neuere These zu den Petrusakten

Das Melanchthon-Zentrum wird im November an der großen ökumenischen Tagung "Kult des Volkes" am Campo Santo Teutonico beteiligt sein.