Leseempfehlungen

Aufgabe des Historikers ist nicht Heiligsprechung, sondern Gerechtigkeit

Dominik Burkard und Hans-Otto Mühleisen über den Freiburger Erzbischof Conrad Gröber 

Conrad Gröber (1872-1948) war seit 1932 Erzbischof von Freiburg und zeigte anfangs ein Entgegenkommen gegenüber dem neuen Regime, das sich bald in entschiedene Gegnerschaft wandelte. Sein anfängliche Gesprächsbereitschaft wird ihm heute zum Vorwurf gemacht. Dabei stützt man sich teilweise auf ein merkwürdiges Dokument, nämlich ein anonymes Gutachten über Gröber, das 1947 in die Hände der französischen Besatzung gespielt wurde.

Buchempfehlung: Baddes Abendland

von Stefan von Kempis

„Abendland“: Das ist ein Begriff, von dem derzeit nur neuheidnische Nationalisten zu träumen scheinen – ausgerechnet. Zum Glück hat das Abendland jetzt in Paul Badde, einem Chesterton unserer Zeit, einen Apologeten gefunden. Oder besser gesagt: einen Erzähler.

weiterlesen

Entdeckung: Raffael im Goethe-Haus in Weimar

Zum neuen Buch von Christian Hecht

Noch nie bemerkt, obwohl eigentlich kaum zu übersehen: Die Decke des Büstenzimmers besteht aus Motiven der Loggien Raffaels, übernommen von den Stichen Giovanni Volpatos. 

Goethes Haus in Weimar ist das Herzstück im Pilgerort der deutschen Klassik – seine verschlüsselte Bildsprache aber war bis heute weitgehend unbekannt. Es ist das persönlichste Projekt, das Goethe je verwirklichte oder auch nur plante, und er hat ihm in den Bildprogrammen und in den teilweise nicht verwirklichten architektonischen Entwürfen Wesentliches seiner Kunst wie seines Lebens anvertraut. Aber - eine gehörige Überraschung - es gibt in Weimar noch heute ein Haus, dessen Fassade den Entwurf des Goethe-Hauses von 1800 aufgreift.

Zum Buch

Lorenzo Planzi: Der Papst und der Bundesrat

Der Schweizer Historiker Dr. Lorenzo Pflanzi, Mitglied des RIGG, hat seine Studie "Der Papst und der Bundesrat: Vom Bruch 1873 zur Wiedereröffnung der Nuntiatur in Bern 1920" über die Geschiche der diplomatischen Beziehungen zwischen Hl. Stuhl und Schweiz vom Kulturkampf bis zur Zwischenkriegszeit vorgelegt. Es handelt sich um ein dreisprachiges Buch in Italienisch, Deutsch und Französisch, das anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und dem Heiligen Stuhl erscheint. Es sollte am 9. November an der Universität Freiburg (Schweiz) unter Teilnahme von Kardinal Pietro Parolin und Bundesrat Ignazio Cassis vogerstellt werden, aber alles ist auf 2021 verschoben worden; dann soll es auch im Istituto Svizzero in Rom präsentiert werden.

Zum Buch

Nonplusultra: Marco Aimone's Katalog über die Wyvern Collection

Dr. Marco Aimone (Turin), früherer Stipendiat von Dumbarton Oaks, hat zusammen mit vier Mitarbeitern einen fulminanten Prachtband (im Schuber) mit einem vollständigen und detaillierten Katalog der byzantinischen und sassanidischen Silberpreziosen der britischen Privatsammlung Wyvern vorgelegt, die 131 Gefäße und Objekte jeder Art, auch liturgische Gefäße, umfasst. Viele davon waren bislang praktisch unbekannt. Der Band ("printed and bound in China"!) ist mit exzellenten Abbildungen ausgestattet und lässt keinerlei Wünsche offen. Er enthält neben dem Katalog wichtige Beiträge zur Silbertechnik. Aimone unterrichtet auch am Kurs "Instrumentum Domesticum" des PIAC im März 2021.

Zum Buch

Arnold Esch: neues Buch von Rom bis an die Ränder der Welt

Arnold Eschs Schatzkiste historischer Kuriositäten und Kolportagen ist schier unerschöpflich. Nun hat er im Beck-Verlag ein neues Buch vorgelegt, in dem er seine Funde aus Akten und Archiven meisterlich ausbreitet. Diesmal geht es nicht nur um Rom, auch nicht nur um Italien, sondern noch weiter auch um Jerusalem, Konstantinopel, Venedig, Göttingen, Nordafrika, das Schwarze Meer, Innerasien undsoweiter. Nach bekannter Manier werden historische Fragmente liebevoll gewürdigt und in das größere Ganze eingeordnet, das von Esch eben auch gesehen und beherrscht wird. So werden scheinbare Nebensächlichkeiten zu Fragmenten der Weltgeschichte. So nimmt man teil an der Rehabilitierung des normalen Lebens im Mittelalter, und man kann sicher sein, dass jedes Wort, jede Zeile, die man liest, historisch verbürgt ist. (alle Esch-Bücher im Campo Santo)

Zum Buch

Neues Standardwerk über die frühen Kirchen Roms

Im Rahmen des internationalen Projekts zur Erfassung aller frühchristlichen Kirchen Europas (Corpus Architecturae Religiosae Europeae - C.A.R.E.) ist nun ein erster Band über die Kirchen Roms herausgekommen (Regionen 1-4). Dieser Band wird zusammen von der Universität Zagreb und dem Päpstlichen Institut für Christliche Archäologie herausgegeben. Verfasser sind Federico Guidobaldi, Angela Miele und Chiara Cecalupo, alle drei vom Päpstlichen Institut. 

Hier bestellen

Neuer Band über die größten Kunstwerke der Vatikanmuseen

Christoph Markschies hat mit einem glänzenden Vortrag in der Berliner Katholischen Akademie den neuen Prachtband über die 100 wichtigsten Kunstwerke der Vatikanmuseen vorgestellt, der vom Verlag Schnell & Steiner herausgegeben wurde. Die Vorstellung wurde vom Akademiedirektor Joachim Hake und dem Apostolischen Nuntius Nicola Eterovic eröffnet. Der Prachtband im Schuber, ein ideales Weihnachtsgeschenk, stellt Hauptwerke der Kunst aus allen Abteilungen der Vatikanmuseen vor. Herausgeberin ist die Museumsdirektorin Barbara Jatta.

Zum Buch 

Daniel Cardó: Das Kreuz (auf dem Altar) und die Eucharistie

Prof. Daniel Cardó, der in den USA Patristik und LIturgie lehrt, hat in Cambridge University Press eine zugleich wissenschaftlich solide wie spirituell reichhaltige Studie zu einem präzisen, letztlich von Benedikt XVI. angestoßenen Aspekt der Eucharistiefeier vorgelegt: The Cross and the Eucharist in Early Christianity. A Theological and Liturgical Investigation (2019). In der katholischen Theologie ist ein heftiger Kampf gegen das Kreuz auf dem Altar entbrannt, was doch ein wenig verwundern muss. Ein solcher postkonziliarer Bildersturm hätte auch und gerade Martin Luther auf die Palme gebracht, der bekanntlich stets das Abendmahl an einem Altar zum Kreuz hin zelebriert hat, ob dieses nun als Objekt auf dem Altar stand oder auf dem Tafelbild hinter dem Altar dargestellt war.