Leseempfehlungen

Exzentriker am Campo Santo Teutonico?

Pater Eberhard von Gemmingen SJ hat in seinem 27-jährigen Dienst in Radio Vatikan die Ewige Stadt und ihr zeitloser, ja ewiger Charakter gut kennengelernt. Das jüngst bei Schnell & Steiner veröffentlichte „Mystiker, Exzentriker, Märtyrer. Geistliche Spaziergänge in Rom“ gibt hiervon Zeugnis. Indessen wirkt das Buch in mancher Hinsicht ex-temporär im Sinne, dass es zwei jesuitische Literaturtraditionen vereint: einerseits die von den mittelalterlichen Mirabilien übernommene geistlich-geographische Romliteratur und andererseits belehrende Dialoge (Kernstück des jesuitischen Theatrum sacrum).

Festschrift für Andreas Sohn "Europa und Memoria"

Andreas Sohn, Professor für Mittelalter an der Sorbonne in Paris und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Römischen Quartalschrift, erhielt zu seinem 60. Geburtstag im EOS-Verlag eine üppige Festschrift: „Europa und Memoria“. Sie spiegelt die breiten geographischen, epochalen und thematischen Interessen des Jubilars wider. Das Vorwort, die fünf Geleitworte aber besonders die 27 Beiträge legen nahe, nicht nur von einem deutschen Mediävisten, sondern von einem europäischen Gelehrten zu sprechen, dessen Oeuvre die Geschichte der Universitäten, Benediktiner, Franziskaner und der Städte Rom und Paris beleuchtet. Sohn vereint die italienische, deutschsprachige und französische Forschungslandschaft interdisziplinär unter dem Zelt des Katholizismus.

Lehrer am Päpstlichen Institut für Christliche Archäologie: Der Konvertit Erik Peterson

Erik Peterson (1890-1960) war evangelischer Theologieprofessor in Bonn, bevor er 1930 in Rom konvertierte und für ihn ein äußerst schwieriger Lebensabschnitt begann, vor allem aufgrund seines Widerstands gegen jeden politischen Katholizismus und damit auch gegen den Nationalsozialismus. Giancarlo Caronello und Antonio Zani geben Petersons Werke in elf Bänden auf Italienisch heraus. Jetzt ist der 10. Band erschienen, die Übersetzung von "Frühkirche, Judentum und Gnosis" (1959). Der Band wurde auch gefördert von der Fondazione Vaticana Joseph Ratzinger, da Ratzinger Peterson kannte und schätzte. 

Der Journalist Kronawitter über den Campo Santo

Vielleicht auch weil er denselben Vornamen - Max - hat, stellt der bekannte Filmemacher und Journalist Kronawitta den Kellberger Pfarrer Max Schwarz (1879-1943) in einem bebilderten Büchlein vor. Es ist nicht wissenschaftlich, stellt aber doch liebevoll und mit vielen eigenen biographischen Einsprengseln - Kronawitter stammt aus Kellberg - einen Priester der Diözese Passau vor, der auch für den Campo Santo Teutonico bedeutsam ist. Denn dort hat Max Schwarz 1908 bis 1910 gewohnt. In dieser Zeit ist auch der später sehr einflussreiche Historiker Franz Joseph Dölger am Kolleg.  

Cornelia Mittendorfers Bildstrecke über Wissensorte in Rom

Wo lebt Wissenschaft heute? In Höhlen? Wohin führen die Spuren der "Geistesleute", wie ist ihr Ambiente? Öde? Anregend? Die österreichische Fotografin Cornelia Mittendorfer hat einen quadratischen Band mit faszinierenden schwarz-weiß-Fotos über Wissensorte in Rom zusammengestellt. Rom ist vielleicht in der Welt die Stadt mit den meisten geisteswissenschaftlichen Einrichtungen. Aber wer kam je auf die Idee, darüber einen Fotoband zu machen, der suggestive Einblicke in die inneren Winkel der Wissenschaftsräume bietet, bevor sich in dieser Zeit des Umbruchs alles in die digitale Unsichtbarkeit verflüchtigen wird. Da sind gerade noch, schon farblos, die Labore, die barocken Bibliotheken, die Karteikästen, bevor sie in rasenden Datenbahnen entschwinden.