Leseempfehlungen

Die Renaissance der Hauskirchen

In der Zeit des "isolamento forzato", der zwangsweisen Einsperrung zuhause, werden auch viele pastorale Überlegungen an gestellt, wie das Kirchesein aufrecht erhalten werden kann. Da reichen die Vorschläge vom häuslichen Bibellesen bis zum Bastelkurs. Aber auch die "Hauskirchen" werden wiederentdeckt. Hier müsste m.E. ein neues Nachdenken einsetzen, um nicht Rezepte vorzuschlagen, die so kein wirkliches biblisches Fundament haben. Sicher, der Franziskanerpater und Exegeseprofessor Hans-Josef Klauck hat in München stark das Konzept der Hauskirchen vertreten und großen Anklang gefunden.  

Kardinal Gerhard L. Müller zur neuen Lutherforschung

Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat in einem glänzenden Referat das jüngst im Herder-Verlag erschienene Buch von Prof. Dr. Dominik Burkard über das epochale Werk "Die Reformation in Deutschland" (1939) von Joseph Lortz vorgestellt, der den echten, noch weitgehend in der katholischen Tradition stehenden Luther vom Lutherbild des reformierten Luthertums des 19./20. Jahrhunderts getrennt und so eine ökumenische Brücke gebaut hat. Burkards Buch, das Müller in einem Zug durchgelesen hat, zumal er Lortz persönlich kannte, ist laut Müller "ein Glanzstück der modernen deutschen Kirchengeschichtsschreibung". "Historiographisch die entscheidende Rolle der Lortz'schen 'Reformation in Deutschland' für die große Wende der katholischen Lutherforschung gesichert zu haben, ist das Verdienst von Dominik Burkard und Jacob Tonner. ... Die Studie 'Reformationsgeschichte katholisch' gründlich zu lesen, ist aller Mühen wert, und sie beweist, dass das kirchliche Lehramt der wissenschaftlichen Theologie bedarf (Lumen Gentium 25)". 

Reformationsgeschichte katholisch

Konfessionalisierung in der osteuropäischen Christenheit

Die vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (Mainz) zusammen mit dem von Dr. Florian Kührer-Wielach geleiteten Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) (München) durchgeführte Tagung über Konfessionsbildung, Konfessionalisierung und ihre Folgen in der östlichen Christenheit Europas liegt inzwischen als Buch vor. Tatsächlich bietet der Band erstmals sowohl systematische als auch beispielhafte Einblicke in eine bislang übersehene Thematik, nämlich die Anwendbarkeit des westlichen Konfessionalisierungsparadigmas auf die religiöse und soziale Landschaft Osteuropas.

Clemens Scholten: Das Fach Kirchengeschichte als theologische Disziplin

In der opulenten Festschrift "Contextus" (Jahrbuch für Antike und Christentum, Erg.bd. 41) für Prof. Dr. Sabine Schrenk, die ihr anlässlich ihrer Emeritierung auf der Bonner Stiftungsprofessur für Christliche Archäologie überreicht wurde, sind zahlreiche Beiträge über frühchristliche Textilien, Bilder, Gebäude und Kleingegenstände versammelt. Den Abschluss bilden kirchenhistorische Beiträge, aus denen ein langer Aufsatz von Prof. Dr. Clemens Scholten (Köln) über die Frage "Das Fach Kirchengeschichte - eine theologische Disziplin?" (S. 545-572) herausragt.

Mirjam Brandt: Die Patene im Hochmittelalter

In der im Auftrag der Görres-Gesellschaft herausgegebenen Reihe "Eikoniká. Kunstwissenschaftliche Beiträge" ist von Mirjam Brandt (Hildesheim) eine umfangreiche Arbeit über die Patene im christlichen Kult vom 11. bis 13. Jahrhundert erschienen. Zusammen mit dem Kelch stellt die Patene das wichtigste Objekt im zentralen Moment der Messfeier dar, der Eucharistie. Obwohl beide vasa sacra gerade im Hochmittelalter eine sowohl künstlerische als auch funktionale Einheit bilden, kann die Patene durchaus als eigenständiges Kunstwerk gelten. Die vorliegende Arbeit untersucht daher nicht nur Form und Materialität der Patene, sondern auch ihre bildliche Gestaltung und Funktion unter Einbeziehung der theologisch-liturgischen Texte und Quellen. Eine Rezension des Buches wird demnächst in der Römischen Quartalschrift von Marco Aimone erscheinen.

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Opulenter Band über die päpstlichen Orden und Ehrenzeichen

Die Libreria Editrice Vaticana hat einen wahrhaft opulenten, großformatigen 554-seitigen Band im Auftrag des Staatssekretariats herausgegeben. Autor ist Dominique Henneresse. Behandelt werden die Ordensdekorationen - Pius-Orden, Gregorius-Orden, Silvester-Orden, Heilig-Grab-Orden u.a. - von Pius VII. bis Franziskus I. Behandelt werden aber auch goldene Rose, Schwert (Stocco) und Hut (Berrettone), ferner Kommemorativmedaglien. Der band ist mit 1370 (!) Abbildungen der Orden, aber auch der Ordensträger und der Verleihungsurknden ausgestattet. Hartmut Benz wird den Band ausführlich für die Römische Quartalschrift rezensieren. Zweifellos ist der Band dringend für jede kirchengeschichtliche Bibliothek anzuraten. Er ist in Französisch (48,-) und Englisch (64,-) erhältlich.

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Grundlagenwerk über römische Landwirtschaft in 2. Auflage

Es ist selten, dass ein scheinbar so abgelegenes Thema wie die spätrömische Landwirtschaft in die 2. Auflage geht. Marco Johannes Bartoldus hat seine Augsburger Dissertation (2008) überarbeitet vorgelegt (2014). Tatsächlich ist ihm ein Grundlagenwerk gelungen, in dem viele knifflige Details des Ackerbaus und der Viehhaltung anhand der Schriften des gallorömischen Aristokraten Palladius (um 400-470) ausgebreitet werden: im Grunde ein Vademecum der ökologischen Landwirtschaft, aber auch der Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte.

Umfassende Geschichte der theologischen Hochschule in Paderborn

Prof. Dr. Josef Meyer zu Schlochtern, langjähriger Rektor der Theologischen Fakultät Paderborn und Mitglied der Görres-Gesellschaft, hat 2014 ein opulentes Werk über die 400-jährige Geschichte der theologischen Ausbildung in Paderborn, angefangen von der Jesuitenuniversität 1614, herausgegeben. Darin wird nicht nur die Rolle der Jesuiten kritisch beleuchtet, sondern auch der Übergang von der "Theodoriana" zum fürstbischöflichen Universitätshaus und zur philosophisch-theologischen Lehranstalt des 19. Jahrhunderts nachgezeichnet.

Heiliger Stuhl unterhält seit 100 Jahren diplomatische Beziehungen

Prof. Dr. Stefan Samerski, der Kirchengeschichte in München und Berlin lehrt, macht in seinem Buch "Deutschland und der Heilige Stuhl: Diplomatische Beziehungen 1920-1945" darauf aufmerksam, dass sich die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und dem Heiligen Stuhl 2020 zum 100. Mal jähren. In seiner Studie behandelt Samerski die Grundlagen des Staat-Kirche-Verhältnisses und der konkreten Kirchenpolitik seit der Zwischenkriegszeit bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Er zeichnet die herausragenden Bedeutung Eugenio Pacellis, des späteren Pius XII., in dieser hoch brisante Phase deutscher Geschichte akribisch nach. 

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