Das online-Presseecho auf die Tagung zur Rassendebatte

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Die vom Lehrstuhl für Neuere Geschichte der Universität Potsdam (Thomas Brechenmacher) in Zusammenarbeit mit dem Römischen Institut der Görres-Gesellschaft am 20.-22. Februar am Campo Santo Teutonico durchgeführte Tagung "Vatikan & 'Rassendebatte' in der Zwischenkriegszeit" hat ein lebhaftes Echo gefunden. Die Referate wurden von 60-70 Teilnehmern und Interessierten vornehmlich aus Deutschland, Österreich und Italien besucht. Durch den Mitorganisator Peter Rohrbacher war eine starke österreichische Teilnahme gewährleistet. Der abschließende öffentliche Görres-Vortrag von Prof. Dr. Thomas Brechenmacher (Potsdam) über den Hl. Land-Besuch Papst Pauls VI. 1964 lockte nochmals über 70 Hörer an. Damit ging eine bemerkenswerte und mit großem Lob bedachte Tagung zu Ende.

In einer aufgewühlten Zeit, nämlich zwischen den beiden Weltkriegen, in der eugenische und rassi(sti)sche Theorien sowohl wissenschaftlich als auch populär Furore machten und in den verschiedenen Ländern unter ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen, politischen und national(istisch)en Rahmenbedingungen blühten, mussten sich auch innerhalb der Kirche zahlreiche Diskussionen bei den Verantwortlichen und Intellektuellen entzünden. Alle möglichen Positionen wurden in der Kurie, unter den Bischöfen, in den Ordensgemeinschaften, unter den Theologen sowie bei berufenen wie selbsternannten Experten ausgelotet, überarbeitet, lanciert, verworfen u.s.w.

Das war ein schwieriger, schwankender Prozess, bei denen Biographien, Netzwerke und Informationsflüsse von entscheidender Bedeutung waren. Was sich damals nicht selten als höchste Erkenntnis der Wissenschaft gerierte, war doch vielfach reine Ideologie und Pseudo-Wissenschaft, an die der deutsche Naziwahn und italo-faschistische Rassismus anknüpfen konnte. Wer wollte da den gesellschaftlichen Bremser spielen? Wer durchschaute wirklich die Zusammenhänge? Wer unterschied zutreffend zwischen Wahrheit und Lüge? Wer erkannte prophetisch die verhängnisvollen Folgen? Welche Stimme im Konzert der Meinungen zählte?

alt alt Auch Theologen - katholische wie evangelische - boten traurige Beispiele von Anbiederung und Zeitgeistigkeit. Die Tagung förderte manche warnenden Beispiele zutage. Daneben gab es natürlich auch die sowohl religiöse wie intellektuelle Widerständigkeit, die klare und beharrliche Ablehnung menschenmanipulativer und menschenverachtender "Erkenntnisse" der Wissenschaft und Maßnahmen zur "Volksgesundheit" und "Hygiene". Aber dann stellte sich immer noch die Frage: wie, wo, mit welchem Wort und mit welcher Tat eingreifen, intervenieren und opponieren? Die Tagung hat hier nicht zuletzt die zahlreichen Risse und Dilemmata aufgezeigt, die sich im vatikanischen und kirchlichen Tun auftaten.

Gewiss, viele Vorurteile und Anklagen gegen den "Vatikan", die heute in den Medien die Runde machen, können historisch widerlegt werden oder stellen sich aus dem historischen Kontext betrachtet anders dar, als man es in den plakativen Vorwürfen hört und liest. Andererseits können Historiker, die mit den Akten vertraut sind und Fehlmeldungen richtig stellen, sehr viel genauer sagen, wo wirklich innerhalb der Kirche Fehler gemacht wurden. Oftmals sehr subtile Fehler, zuweilen schon damals unentschuldbare, zuweilen aus Eitelkeit, Dummheit oder Ignoranz begangene Fehler. Historiker können zeigen, wo wirklich Versagen eklatant war; wo aber auch mutige Entscheidungen gegen den Mainstream getroffen wurden.

Historiker können mit ihren oft nüchternen Erkenntnissen anregen, darüber nachzudenken, welche Lehren für die heutigen Debatten über Genetik und Eugenik gezogen werden müssen. Gerade bei einem solch prekären Thema wie der "Rassendebatte" war von allen Referenten höchste Seriösität und historische Professionalität verlangt. Auf diesem hohen Niveau hat die Tagung einen Durchbruch zur wahren Geschichte in der Geschichte geleistet. 

Das online-Presseecho ist erfreulich, inhaltlich allerdings auf wenige Thesen reduziert, da sich online-Medien gegenseitig abschreiben und dann rasch zu anderen Themen übergehen. Es folgt eine Auswahl der online-Veröffentlichungen:

katholisch1.tv

Kathpress

Bildpost

Moked

Eine spekulative Überschrift findet sich im Gad Lerner: Il convegno su Vaticano e razzismo nazifascista autorizzato da Papa Francesco. Hierzu ist zu sagen, dass von einer förmlichen Autorisierung durch Papst Franziskus nicht die Rede sein kann. Freilich hat das Päpstliche Komitee für Geschichtswissenschaft die Tagung dankenswerterweise finanziell gefördert; darin drückt sich das Interesse des Hl. Stuhls an der geschichtlichen Wahrheitsfindung aus.

Auf den Vortrag von John Connelly beziehen sich:

Katholische Internationale Presseagentur

Die Welt

Der Standard

Religion ORF

Die Presse

Tiroler Tageszeitung

S.Heid