Römische Notizen

Sven Conrad: Dissertation über den "Papa Liturgicus" Benedikt XVI.

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Pater Sven Leo Conrad (* 1972 in Koblenz) in Chiusa/Klausen, Mitglied des RIGG, wurde 2017 an der Europa-Universität Flensburg bei Prof. Dr. Franz-Josef Niemann zum Dr. phil. promoviert. Die umfangreiche Promotionsschrift trägt den Titel „Liturgie und Eucharistie bei Joseph Ratzinger. Zur Genese seiner Theologie während der Studien- und Professorenzeit“ und umfasst zwei Bände. Der Autor konnte mit Papst Benedikt XVI. mehrfach seine Arbeit besprechen.

Band 1 beginnt mit einem biographischen Teil unter dem Aspekt der Liturgie. Zudem wird die Liturgietheologie jener akademischen Lehrer Ratzingers zusammengefasst, die er selbst als für ein eigenes Liturgieverständnis als entscheidend ansieht. Es sind dies Romano Guardini, Joseph Pascher, Gottlieb Söhngen und Michael Schmaus. Wegen des theologischen Zeitkontextes wird auch Odo Casels Mysterientheologie skizziert. Nach dieser Darstellung der Wurzeln von Ratzingers Denken kommentiert der Hauptteil des Bandes sein publiziertes Werk bis zu seiner Erhebung zum Erzbischof von München und Freising, insofern es im weitesten Sinn für die Fragestellung relevant ist. Der Autor hat sich bewußt für eine genetische Methodologie entschieden und Wiederholungen in Kauf genommen, weil man Ratzinger von verschiedener Seite immer wieder grundsätzliche Umorientierungen seines Denkens unterstellt hat. Diese Einwände kann man am besten mithilfe der Darstellung der Denkentwicklung Ratzingers aufarbeiten. In seiner Analyse macht Conrad durchaus Änderungen der Stoßrichtung und zuweilen Korrekturen in Ratzingers Denken aus, kann aber auch auf eine große Konstante verweisen. Ratzingers Zugang zur Liturgie steht im Spannungsfeld von Christologie und Ekklesiologie.

S. Conrad, Prof. Niemann, Prof. Hoping S. Conrad, Prof. Niemann, Prof. Hoping Band 2 kommentiert ebenso in genetischer Weise die Vorlesungsmitschriften der Studenten Ratzingers, insofern sie für die Thematik relevant sind. In der Zusammenschau von Ratzingers Wurzeln, seinem publizierten Werk und der Rezeption seines Denkens durch seine Hörer ergibt sich ein umfassendes Bild auf das Denken eines Theologen, der bestens vorbereitet war, später ein Papa Liturgicus zu werden.

Die Promotionsschrift ist im Internet veröffentlicht unter: https://www.zhb-flensburg.de/dissert/conrad/ Im Herbst diesen Jahres wird sie durch das Institut Papst Benedikt XVI. in Regensburg in Buchform erscheinen. Man darf hoffen, dass auch eine handliche "Volksausgabe" mit den wesentlichen Erkenntnissen erscheinen wird.