Nachruf auf Hermann-Josef Vogt

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Von Johannes Grohe

Am Gedenktag des Hl. Augustinus, dem 28. August, ist der international bekannte und angesehene Althistoriker und Patrologe Hermann-Josef Vogt in St. Wendel im Saarland im Alter von 83 Jahren verstorben.

Der am 1. Juli 1932 geborene Vogt wurde nach dem Studium der Philosophie und Theologie in Trier und Rom (an der Gregoriana) als Alumne des Collegium Germanicum et Hungaricum am 10. Oktober 1958 in der Kirche Sant’Ignazio in Rom für das Bistum Trier zum Priester geweiht und zwar durch Erzbischof Luigi Traglia, dem damaligen Vizeregenten und späteren Kardinal-Vikar für Rom.

Nach seiner Kaplanszeit wurde Vogt vom Trierer Bischof Matthias Wehr zum Weiterstudium in Bonn freigestellt und mit der preisgekrönten Arbeit “Coetus Sanctorum. Der Kirchenbegriff des Novatian und seiner Sonderkirche” an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität im Jahre 1966 promoviert. Die Arbeit wurde von Karl Baus betreut, bei dem Vogt auch als wissenschaftlicher Assistent arbeitete.

Mit “Das Kirchenverständnis des Origenes”, erschienen Köln – Wien 1974, seiner Bonner Habilitationschrift von 1971, ebenfalls von Karl Baus – und als Zweitgutacher – von dessen Nachfolger Ernst Dassmann betreut, fand Vogt dann sein Hauptforschungsgebiet: Origenes, einer der faszinierendsten Denker der Spätantike und großer Anreger für die Entwicklung der östlichen Theologie. Ausdruck dieses seines Forschungsinteresses ist Origenes’ “Kommentar zum Evangelium nach Matthäus”, den Vogt in drei Bänden in der “Bibliothek der griechischen Literatur” (18 30, 32) in den Jahren 1983-1993 herausgegeben, übersetzt und kommentiert hat. Vogt galt als einer der profiliertesten Kenner von Werk und Wirkungsgeschichte des Origenes. In seinen Schriften, aber auch im akademischen Unterricht, wusste Vogt seine Leser und Hörer zu fesseln: “Seine Lehrtätigkeit ließ den Funken der Begeisterung für Origenes auf die ihm zuhörenden Studenten überspringen” erinnerte sich einer seiner Schüler. Zu seinem 60. Geburtstag veranstalteten Kollegen, Freunde und Schüler zu seinen Ehren in der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart das Symposion “Origenes – vir ecclesiasticus”, dessen Beiträge dann 1995 als Buch erschienen, während die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Tübingen Vogt aus dem gleichen Anlass mit der Festschrift “Lebendige Überlieferung. Prozesse der Annäherung und Auslegung”, hg. v. von Nabil el Khoury, Henri Crouzel und Rudolf Reinhardt, Beirut – Ostfildern 1993, ehrte. In Tübingen hatte er in den Jahren 1971-2000 den Lehrstuhl für Alte Kirchengeschichte, Patrologie und Christliche Archäologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät inne. Aus Anlaß der Emeritierung gab sein Schüler und Kollege Wilhelm Geerlings einen Band mit Aufsätzen von Hermann-Josef Vogt mit dem Titel “Origenes als Exeget”, Paderborn 1999, heraus.

Vogt hat natürlich nicht nur zu Origenes geforscht und publiziert. Auch die Konziliengeschichte verdankt ihm wichtige Impulse, namentlich zur Erforschung des Konzils von Ephesus (431).

Über seine akademische Tätigkeit hinaus war Vogt ein überzeugter Ökumeniker und engagierte sich vor allem im Dialog zwischen Katholischer Kirche und der Orthodoxe. Als Mitglied der “Gemischten Internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen der Römisch-Katholischen Kirche und der Orthodoxen Kirche” nahm er seit deren Bestehen an den Gesprächen in München 1982, Bari 1987, Valamo (Finnland) 1988, Freising 1990 und Balamand (Libanon) 1993 teil.

Nach seiner Emeritierung in Tübingen 2000 kehrte Vogt in seine Heimat zurück und engagierte sich in der Seelsorge in der Gemeinde St. Martin (seiner Primizkirche) und dem Dekanat Merzig. Vogt galt als ein überzeugender Seelsorger und begabter Prediger und wusste in seinen meist frei vorgetragenen Ansprachen seine Zuhörer zu faszinieren und zum Nachdenken anzuregen. Im Trierer Konstantin-Jubiläum 2006/07, mit dem man in Trier den Regierungsantritt des Kaisers beging, hielt Vogt auf Einladung des Domkapitels eine vielbeachtete Fastenpredigtreihe mit dem Titel “Große Gestalten der frühen Trierer Kirche”.

Als Vogt am 10. Oktober 1958 in Rom zum Priester geweiht wurde, stand die Weihe ganz unter dem Eindruck des Todes von Papst Pius’XII., der am Vortag in Castel Gandolfo verstorben war. Der sterbende Papst hatte den Germanikern noch seine Segenswünsche übermitteln lassen. Darin wünschte er den Neupriestern, “dass sie, in der Frömmigkeit brennend, in der Lehre leuchtend, in der Lebensführung vorbildlich seien”. Für den verstorbenen Hermann-Josef Vogt ist dieser Segenswunsch in Erfüllung gegangen. R.I.P.