Nachlese zur Freiburger Tagung über das Konzil von Trient

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Vom 18.-21. September 2013 fand in Freiburg im Breisgau eine Tagung der Gesellschaft zur Herausgabe des Corpus Catholicorum e.V. zum Thema „Das Konzil von Trient und die katholische Konfessionskultur (1563-2013)“ statt. Seit 1919 gibt die Gesellschaft Werke katholischer Schriftsteller im Zeitalter der Glaubensspaltung im Aschendorff-Verlag (Münster) heraus, die sich auch alle in der Bibliothek des Campo Santo Teutonico finden. Aufgrund einer unglücklichen Terminballung war das Römische Institut bei der wichtigen Tagung leider nicht stark vertreten. Als kleinen Ersatz veröffentlichen wir hier einen knappen Tagungsbericht von unserem ehem. Assistenten Mathias Mütel, der selber über das Trienter Konzil und seine Kirchenväterrezeption arbeitet. (S.Heid)

Den Eröffnungsvortrag hielt Kurt Kardinal Koch, der über die ‚Wahrnehmung und Bedeutung des Tridentinums in Theologie und ökumenischem Dialog der Gegenwart’ referierte. Dabei hob er hervor, dass die Beschlüsse des Konzils wesentlich offener formuliert waren, als sie nach dem Konzil rezipiert wurden. Dadurch können diese – wie das Zweiten Vatikanum und die gemeinsame Erklärung über die Rechtfertigung zeigen – für den ökumenische Dialog fruchtbar gemacht werden.

Der Donnerstagvormittag stand unter dem Motto „Erinnerungsort Trient“. Joachim Schmiedl (Vallendar) stellte ‚Das Trientbild der Traditionalisten’ vor und zeigte, dass Erzbischof Marcel Lefebvre nicht das Tridentinum und seine Beschlüsse selbst rezipierte, sondern das Konzil durch die Brille der Päpste nach der Französischen Revolution wahrnahm.

An dieser Feststellung knüpfte Hubert Wolf (Münster) in seinem Referat „Trient und ‚tridentinisch’ im Katholizismus des 19. Jahrhunderts“ an. Er arbeitete heraus, dass nicht das Tridentinum und seine Texte, sondern ein „Mythos Trient“ rezipiert wurde, der als eine ideologische Instrumentalisierung fungierte.

Andreae Badea (Rom) stellte anschließend Trient in der Geschichtsschreibung des 17. Jahrhunderts dar, indem sie Pietro Sforza Pallavicino und Paolo Sarpi miteinander verglich und die Rezeptionsgeschichte bis ins 20. Jahrhundert nachzeichnete.

Herman J. Selderhuis (Hasselt, NL) referierte über „Das Trientbild der Protestanten“, wobei er sich vor allem auf das 16. Jahrhundert bezog. Dieses war durch die negative Aussagen Luthers zu einem  Konzil unter päpstlicher Leitung geprägt, die auch bei seinen Anhängern zu einem negativen Trientbild führten.

Der Donnerstagnachmittag stand unter dem Thema „Trient als theologisches Ereignis“. Volker Lippin (Tübingen) begann die Sitzung mit einem Vortrag zum Thema „Der Umgang des Tridentinums mit der spätmittelalterlichen Theologie“. Dabei stellte er heraus, dass die Formulierungen des Rechtfertigungsdekretes in seinen Formulierungen bewusst eine integrative Deutungsoffenheit belässt, die keine theologische Denkschule bevorzugt.

Anknüpfend stellte Ulrich Leinsle (Regensburg) den „Humanismus und Thomismus auf dem Tridentinum“ dar: Zeigte sich der Einfluss des Humanismus vor allem in der philologischen Arbeit für die Fragen der Bibelübersetzungen und Kanonfrage, so schlug sich der Thomismus besonders in den Dekreten über die Sakramentenlehre nieder.

Zum „Augustinismus auf dem Tridentinum“ referierte Matthijs Laberigts (Leuven) in englischer Sprache und zeichnete v.a. Girolamo Seripandos Einfluss auf das Erbsünden- und Rechtfertigungsdekret nach.

Niccolo Steiner SJ (München) stellte in seinem Vortrag über die „Jesuitentheologie auf dem Tridentinum“, den Beitrag der Jesuiten zur Debatte über die Letzte Ölung in Bologna und Trient dar.

Schließlich setzte sich Franz Brendle (Tübingen) mit den „Protestanten auf der Zweiten Sitzungsperiode des Tridentinums“ auseinander: Erkannten die Protestanten die Autorität des Konzils zwar nicht an – aus diesem Grund stellten sie sich auch nicht der Konzilsleitung vor –, so wollten sie doch Zeugnis vor dem Konzil ablegen und dem Kaiser gehorsam sein.

Der Freitagvormittag stand unter dem Thema „Rezeption und Rezeptionssteuerung an der römischen Kurie“:

Den ersten Vortrag hielt Günther Wassilowsky zum Thema „Die Konzilskongregation: Päpstliche Durchführung und Steuerung der Rezeption“. Er beleuchtete Giovanni Gerolamo Morones Rezeptionsteuerung, in der er die Reformen ohne Beschneidung der Macht der Kurie und des Papsttums vorantrieb: Der Papst wurde zum einzigen Referenzpunkt der Interpretation und der Rezeption des Konzils. Christian Wiesner explizierte diesen Sachverhalt anhand der Frage der bischöflichen Residenzpflicht.

Im Anschluss legte Claus Arnold die „Konzilsrezeption in den Kongregationen von Index und Inquisition“ dar: Die Dominikaner trieben insbesondere unter Pius V. eine Theologische Uniformierung im Sinne des Thomismus voran, die sich aber letztlich nicht vollständig durchsetzte, wie z.B. der Gnadenstreit zeigt.

Alexander Koller (Rom) referierte über die „Steuerung der Konzilsrezeption über die Nuntiaturen“ und zeigte die komplexen politischen Zusammenhänge auf.

Rainald Becker (Bayreuth) erläuterte die „Posttridentinischen Bischofsernennungen“ und stellte die unterschiedlichen staatlichen, ortskirchlichen und kurialen Einflüsse auf dieselben dar. Durch die Forderungen nach theologisch gebildeten Bischöfen kam es zu einer „Jesuitisierung“ des Episkopats im Reich, insofern diese vor allem durch die Jesuiten ausgebildet worden waren.

Der Freitagnachmittag stand unter dem Thema „Trient und das Heilige Römische Reich“.

Julia Zunckel (Genua) stellte den „Einfluss von Carlo Borromeo und des Mailänder Reformkreises auf Politik und Kirche in der katholischen Schweiz und im Heiligen Römischen Reich“ dar. Auch seine Rolle in der Verfolgung von angeblichen Hexen wurde in diesem Zusammenhang diskutiert.

Anschließend referierten Anton Schindling mit Dennis Schmidt (Tübingen) über das Thema „Trient, die katholische Aufklärung und der Josephinismus – Anpassung und Ablehnung im Widerstreit“. V.a. die Vorstellungen vom Verhältnis von staatlicher und kirchlicher Autorität und Zuständigkeit wurde hier durchleuchtet.

Nach dem Abendessen diskutierten Wolfgang Reinhard und Peter Hersche über die Frage „Wie modern ist der Barockkatholizismus?“ Wolfgang Reinhard stellte seine aktualisierte Konfessionalisierungsthese dar, gemäß der sich die Kirchengeschichte seit dem Spätmittelalter in einer antagonistischen Wellenbewegung von „Barock“ und aufgeklärter „Moderne“ vollzieht. Diese These wurde in ihren Bestandteilen mit Peter Hersche und dem Auditorium diskutiert. Schließlich warf Rainhard auch die Frage auf, ob wir nach der nachkonziliaren Moderne vor einem neuen Barock stehen.

Am Samstagmorgen wurde die „Posttridentinischen Kulturen“ in den Fokus gerückt:

Phillipp Zitzlsperger (Berlin) Ausführungen thematisierte die „Posttridentinische Bilder und frühneuzeitliche Normenkonkurrenz“ und der verlesene Vortrag von Klaus Pietschmann (Mainz) ging auf den „Niederschlag der Trienter Konzilsbeschlüsse in der römischen Kirchenmusik des ausgehenden 16. Jahrhunderts“ ein. Schließlich stellte Benedikt Kranemann (Erfurt) die vielschichtige und nicht einheitliche „Postridentinische Liturgiereform“ dar, von der aus in der Diskussion auch die Konfessionalisierungsthese noch einmal kritisch aufgenommen wurde.

Den Abschlussvortrag hielt Peter Walter (Freiburg) zum Thema „2013 im Spiegel der Konzilsjubiläen“, in denen in unterschiedlicher Akzentuierung die „Reform von Trient“ der vielmals als Revolution interpretierten Reformation gegenübergestellt wurde. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde immer mehr die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung des abendländischen Christentums ins Zentrum des Konzilsjubiläums gestellt.

Es war eine äußerst interessante Tagung, die mit durchwegs hochrangigen Vorträgen und Diskussionen viel Wissen über das Tridentinum zu vermitteln vermochte. Man darf sich auf die Veröffentlichung der Vorträge freuen!

Mathias Mütel