Frühchristlich-byzantinische Ausstellungen in New York

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Anton de Waal, Gründungsrektor des Priesterkollegs am Campo Santo Teutonico, beklagte bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts, dass Skulpturen aus alten Privatsammlungen, die sich in den Villen der Kardinäle und Fürsten des 16./17. Jahrhunderts in Rom befanden, ins Ausland, vor allem nach Amerika, wanderten. Sarkophage, die über viele Jahre in Gärten als Wassertröge gedient hatten, waren plötzlich weg. Wenn man nach New York kommt, versteht man, was de Waal meinte. Aber es gibt nicht nur viel Aufgekauftes aus Europa, es gibt auch Geliehenes. So läuft zur Zeit bis zum 14. Mai in New York eine Sonderausstellung der Onassis Foundation zur Kunst der Spätantike (3.-7. Jh.) im Onassis Cultural Center (645 Fifth Avenue, wichtig: Eingang 51st Street). Die Exponate stammen - wenig überraschend für die Onassis-Stiftung - weitgehend aus Athen. Die Ausstellung ist sehr schön, exquisit und zweifellos lohnend.

 

Auch der 190-seitige Katalog mit dem programmatischen Titel "Transition to Christianity" für 30 $ (nur Paperback) lohnt sich. Er wurde u.a. von Eugenia Chalkia betreut. Sehr reich ist auch die dauerhafte byzantinische Abteilung des Metropolitan Museum of Art. Der brandneue 332-seitige Katalog "Byzantium and Islam" für 50 $ (gebunden) entspricht dem üblichen hohen Standard solcher wuchtigen Bände. Das Metropolitan Museum insgesamt ist natürlich von überwältigender Fülle herausragender Kunstobjekte, die man an einem Tag kaum verdauen kann. Erinnert sei daran, dass beide Ausstellungen an die große Sonderausstellung "Age of Spirituality" anknüpfen, die 1978 im Metropolitan Museum für nachhaltiges Aufsehen gesorgt und breites Interesse an der Spätantike geweckt hat. Die Spätantike ist seither immer wieder gefragt, weil hier der entscheidende Umbruch von einer paganen zur christlichen Gesellschaft stattfand, und zwar im Umfeld tiefgreifender gesellschaftlicher und ökonomischer Veränderungen. Es war eben kein einheitlicher und einfacher, sondern ein höchst komplexer Prozess. Bei der Betrachtung der meist sehr wertvollen Exponate muss man sich daher auch immer wieder klarmachen, dass man es überwiegend nur mit den Objekten einer elitären Minderheit zu tun hat, die Geld genug besaß, um Kunst zu produzieren bzw. zu erwerben und wertzuschätzen. Im religiösen Bereich handelt es sich häufig um Stiftungen, die sich durch entsprechende Inschriften ausweisen.