Prof. Dr. Erich Meuthen verstorben

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Wenige Tage nach seinem 89. Geburtstag ist Erich Meuthen am 11. Juni 2018 in Köln verstorben. Er entstammte einer katholischen Lehrerfamilie aus Mönchengladbach und studierte in Köln Geschichte, Philosophie und Germanistik bei Gerhard Kallen, Josef Koch und Richard Alewyn. 1954 wurde er mit einer von Kallen betreuten Arbeit über „Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoh von Reichersberg“ (Leiden 1959) promoviert. Danach vermittelten ihn seine Kölner Lehrer mit einem dreijährigen Stipendium des Landes NRW an das eben erst wiedererstandene Deutsche Historische Institut in Rom, von wo aus er in den Archiven Mittel- und Oberitaliens eine große Zahl unerschlossener Quellen zu Nikolaus von Kues aufzuspüren vermochte. Daraus erwuchs das 1958 erschienene Buch „Die letzten Jahre des Nikolaus von Kues“ über dessen Zeit als Kurienkardinal des Piccolominipapstes Pius II. Dem DHI in Rom, dessen Wissenschaftlichem Beirat er viele Jahre angehörte, blieb Meuthen zeitlebens verbunden. Seit 1956 war er Mitglied der Görres-Gesellschaft.

Nach seiner Rückkehr aus Rom schlug er zunächst die Archivlaufbahn ein und kam 1961 an das Aachener Stadtarchiv, dessen Leiter er 1966 wurde. In dieser Zeit erarbeitete er das vorbildliche Aachener Urkundenbuch für die Zeit von 1101 bis 1250 (Bonn 1972) und konnte sich an der dortigen Hochschule mit einer prosopographischen Untersuchung über die Aachener Pröpste bis zum Ende der Stauferzeit habilitieren. 1971 folgte er einem Ruf an die Universität Bern und wechselte 1976 an seine Heimatuniversität Köln, wo er bis zur Emeritierung 1995 eine sehr fruchtbare Lehrtätigkeit entfaltete und zahlreiche Schüler für die Beschäftigung mit dem Spätmittelalter gewann.

Diese Epoche rückte fortan ganz ins Zentrum seines Interesses. Für die Heidelberger Akademie übernahm er die Leitung der Cusanus-Gesamtausgabe und schuf selbst mit den „Acta Cusana. Quellen zur Lebensgeschichte des Nikolaus von Kues“, wovon zwischen 1976 und 2000 fünf Bände erschienen, ein neuartiges, ganz aus dem ungedruckten Material geschöpftes Grundlagenwerk. Daneben leitete er mit großem Erfolg für die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie die Ältere Reihe der Deutschen Reichstagsakten und trat mit grundlegenden Arbeiten über das Basler Konzil (1431-1449) hervor. Von seiner Kraft zur darstellenden Synthese zeugt das seit 1980 mehrfach wieder aufgelegte Studienbuch „Das 15. Jahrhundert“. Zur 600-Jahr-Feier der Kölner Universität gab er 1988 als deren Archivar eine viel gerühmte „Kölner Universitätsgeschichte“ in drei Bänden heraus, deren ersten über die Alte Universität (1388-1798) er als alleiniger Autor verfasst hat.

Seit 2004 zwang ihn eine unerbittlich fortschreitende Krankheit, sich von der Wissenschaft und aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen.

Rudolf Schieffer