Forscher zu Gast: Frank Sobiech

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Neues Buch über die Bioethik im Werk des seligen Niels Stensen

Dr. Frank Sobiech, Habilitand am Lehrstuhl für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit (Prof. Dr. Dominik Burkard) der Universität Würzburg, ist vom 14. September bis zum 5. Oktober 2014 zu Gast am Kolleg des Campo Santo Teutonico und des RIGG. Er recherchiert in römischen Archiven und Bibliotheken für seine Habilitation über Friedrich Spee SJ (1591-1635) und dessen gegen die Hexenprozesse im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gerichtetes, pseudonym veröffentlichtes Werk Cautio Criminalis (Rinteln 1631).

Im Verlag Aschendorff in Münster erschien jetzt in 2. Auflage seine Studie über die Bioethik des seligen Niels Stensen (1638-1686), seinerzeit Weihbischof für Münster und Paderborn in der Zeit der Katholischen Reform: Radius in manu Dei: Ethos und Bioethik in Werk und Rezeption des Anatomen Niels Stensen (1638-1686) (250 S., 15 Abb., 49,- Euro).

Im Mittelpunkt stehen das Forscherethos, die Ethik des Lebensbeginns sowie die Sexual- und Familienethik des aus Kopenhagen gebürtigen Dänen Niels Stensen (auf italienisch: Niccolò Stenone), der 1988 in Rom als erster moderner Naturwissenschaftler durch Papst Johannes Paul II. selig gesprochen wurde. Stensen wies unter anderem 1667 in Florenz die weiblichen Eierstöcke nach, konvertierte noch im selben Jahr und begründete 1669 die moderne Geologie.

Nachdem er 1673 in Kopenhagen eine Vorlesung über den Aufbau des Körpers der Frau gehalten hatte, wurde er 1675 in Florenz zum Priester geweiht und wirkte ab 1677 als Apostolischer Vikar der Nordischen Missionen vor allem in Nordwestdeutschland. Zu den für die Gegenwart bedeutsamen Erkenntnissen zählt auch, dass Stensens Definition des ehelichen Aktes mit der entsprechenden Aussage des Zweiten Vatikanischen Konzils bis in die Wortwahl übereinstimmt (Gaudium et spes 49). In der Basilika San Lorenzo in Florenz befindet sich seit 1687 sein Grab, seit der Umbettung 1953 ein frühchristlicher Sarkophag, der stets mit vielen Fürbittzetteln von Gläubigen aus der ganzen Welt in verschiedenen Sprachen bedeckt ist. Stensens Heiligsprechungsprozess läuft.

Die mit einem Geleitwort des Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre Gerhard Ludwig Kardinal Müller versehene profunde Studie behandelt auch Stensens mehrmonatigen römischen Aufenthalt vor dessen Bischofsweihe im September 1677. Sowohl eine englische als auch eine spanische Übersetzung sind in Vorbereitung. Auf der Seite von Radio Vatikan kann man ein Interview des Autors mit Gudrun Sailer von Radio Vatikan hören oder nachlesen.