Ein persönliches Wort zum Tod von Erwin Gatz

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Erwin Gatz Erwin Gatz Auch wenn unzählige Andere besser und berechtigter über Erwin Gatz sprechen können, so will ich doch als sein Nachfolger als Geschäftsführender Direktor des Römischen Instituts der Görres-Gesellschaft ein Wort sprechen.

Es kann nichts anderes sein als ein erstes Wort des Dankes und der dankbaren Erinnerung.

Erwin Gatz starb unerwartet, wohl an Herzversagen, auf einem Sonntagsausflug in Maastricht. Er liebte die Ausflüge, hier in Rom jeden Samstag. Er ist gestorben, wie er gelebt hat: ohne Verzögerung, ohne Diskussion, ohne Klagen.

 

Es werden jetzt sicher hie und da Spekulationen laut, ob sein Tod nur vier Monate nach seinem Weggang vom Campo Santo Teutonico, wo er seit 1975 sein Bestes gegeben hat, eben mit diesem Weggang zu tun hat. Sicher, das war für ihn nicht leicht. Er wäre am Ende doch gerne zwei Jahre länger bis zu seinem 80. Geburtstag geblieben. Aber das Ende war für ihn dann entschieden, und sein Blick war fortan ganz auf die Zukunft gerichtet. Er hatte Pläne, überschaubare, machbare, aber auch nicht wenige: Vorträge, Vorlesungen, Reiseführungen, weitere wissenschaftliche Werke. Deshalb habe ich keinerlei Zweifel, dass sein Tod ohne jeden direkten Zusammenhang zu seinem Weggang von Rom steht. Er erlag schlicht einem Herzversagen, und alles darüber hinaus bleibt haltlose Spekulation. Erwin Gatz, den ich seit seinem Weggang nur noch wenige Male telefonisch sprach, und stets nur kurz, wie es seiner Art entsprach, war ganz zufrieden mit seinem Zuhause in Aachen und voller Pläne, die ihn noch manche Jahre auf geistiger und leiblicher Wanderschaft gehalten hätten.

Erwin Gatz und Alois Righi Schwammer Erwin Gatz und Alois Righi Schwammer Sein Tod stand in einer anderen Dimension: Er starb am selben Tag wie der Alt-Camerlengo der Erzbruderschaft Alois Righi-Schwammer. Unvergeßlich ist, wie Erwin Gatz am 8. Dezember, dem Tag seiner offiziellen Verabschiedung, in Anwesenheit der Gäste und Freunde in der Kirche des Campo Santo seinen kurzen, erwartungsgemäß nüchternen Dankesworten plötzlich einen sehr, sehr persönlichen Ton verlieh, der alle aufhorchen ließ. Er sagte, er wolle sich nicht an alle wenden, sondern Einen für Alle herausgreifen, weil ihm dies besonders wichtig sei. Er meinte den schon gebrechlichen Alois Righi Schwammer, der in Begleitung seiner Frau Franca im Hintergrund direkt bei der Kirchentür saß. Mit ihm hatte er über 30 Jahre in der Erzbruderschaft engstens zusammengearbeitet. Und man sei in den ersten Jahren keineswegs einer Meinung gewesen und habe in manchen wichtigen Fragen über Jahre hinweg hart miteinander gerungen. Aber dann sei eine wirkliche Freundschaft daraus geworden, die ihm mit das Wertvollste in seinem Leben geworden sei. Und dafür danke er Righi Schwammer von ganzem Herzen. Man kann sich leicht vorstellen, wie alle, die Gatz kannten, tief beeindruckt waren; der Applaus nahm kein Ende mehr.

Nun sind beide am selben Tag verstorben, der eine in Rom, der andere in Maastricht, und beide werden auf demselben Friedhof neben St. Peter liegen. Das meine ich, wenn ich sage, dass dieser Tod einer höheren Regie folgte. Erwin Gatz hätte gewiss noch gefühlte zehn Jahre aktiv sein können. Und dem Römischen Institut fehlen jetzt ohne jeden Zweifel seine Kompetenz, sein Gedächtnis, seine Arbeitskraft. Aber er hat alles geordnet hinterlassen; nichts blieb lieblos liegen. In seinem Arbeitszimmer, das er sich in den Görres-Räumen neu eingerichtet hatte und in dem er jetzt vom 12. Mai für einen Monat hatte arbeiten wollen, fand sich sein Testament, datiert auf den 1. Januar 2011!

Es steht außer Frage, dass ich mit den vielen, vielen Freunden und Mitarbeitern aus der Görres-Gesellschaft und darüber hinaus, die dem Römischen Institut und der Römischen Quartalschrift verbunden sind, gewissermaßen auf den Schultern meines Vorgängers weiterarbeiten werde. Es besteht keinerlei Anlass, das Ruder zu einer anderen Seite herumzuwerfen. Seit 15 Jahren kenne ich als Mitglied des Campo Santo Teutonico Erwin Gatz. Das war eine Lebensgemeinschaft, die prägt! Ich erfuhr wie viele Andere durch ihn Unterstützung ohne Direktiven, Förderung durch Vertrauen, Bildung durch viele Ausflüge und Vorträge, schließlich im kollegialen Sinne Freundschaft unter Freunden. Da hoffe ich also jetzt auf die vielen, die ich mit „Freundschaft unter Freunden“ meine, dass wir weiterhin gemeinsam Sorge tragen für das Institut zum Wohle der gesamten Görres-Gesellschaft und des Priesterkollegs, dessen neuer Rektor Dr. Hans-Peter Fischer nach Kräften am selben Strang mitzieht.

Christi Friede der Seele des Verstorbenen!

Stefan Heid